Hannover - Die Liste ist brisant: Das Verkehrsreferat hat für Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) eine Liste über Niedersachsens bröckelnde Brücken und Straßen erstellt.
Keine Detailaufnahme einzelner Objekte, sondern eine Gesamtschau, die den wichtigen Verkehrsadern ein gefährliches Alter attestiert. So wurden 55 Prozent der niedersächsischen Brücken „vor 1985 gebaut“, sind 30 bis 60 Jahre alt. Bauten, die nur den damaligen niedrigen Standard der „Brückenklasse 60“ erfüllen. Also: Ein Lkw mit 60 Tonnen auf der Brücke. Längst gilt die Klasse 60/30, also ein Lkw mit 60 und einer mit 30 Tonnen auf der Brücke – ohne Einsturzgefahr. Aber: 70 Prozent des Brückenbestands fallen „nicht in die aktuelle Brückenklasse“, haben Experten ermittelt. Da besteht dringender Handlungsbedarf. Nicht zuletzt, weil Untersuchungen „Spannungsrisskorrosion bei Bauwerken mit Baujahren vor 1985“ ergaben. Im Klartext: Niedersachsens Brücken bröseln nicht nur vor sich hin, sie rosten auch noch.
Und noch ein alarmierendes Experten-Urteil findet sich in der Aufstellung wieder: „Brücken können ihre geplante Lebensdauer von 80 Jahren nicht mehr erreichen.“ Viele Gründe liegen auf der Hand: starke Zunahme des Schwerverkehrs, Überladung der Fahrzeuge und „die starke Zunahme von genehmigungspflichtigen Großraum- und Schwertransporten“.
Übrigens: die meisten Brücken (2300) führen über Bundesstraßen, deutlich weniger dagegen (jeweils rund 1900) über Bundesautobahnen und Landstraßen.
Für die Sanierung der maroden Infrastruktur errechnen die Experten einen Bedarf von „einer Milliarde Euro in den nächsten 15 bis 20 Jahren“. Ein nicht immer einfaches Unterfangen: 90 Prozent aller Ersatzneubauten „erfordern ein Planfeststellungsverfahren“. Das dauert. Aber der Verkehr muss rollen. Da lauern erhebliche Konflikte.
