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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Computer greift nicht immer ein

02.04.2019

Brüssel Bei der umfassenden Kontrolle der Autofahrer durch elektronische Assistenzsysteme ab 2022 soll es zeitweilige Ausnahmen geben. Teilweise lassen sich die Systeme kurz abschalten – beispielsweise beim Überholen: „Wir haben darauf gedrungen, dass der Fahrer nicht entmündigt wird. Ein Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit wird aus Gründen der Verkehrssicherheit deshalb nur angezeigt“, sagte der CDU Europaabgeordnete Andreas Schwab, der dem federführenden Ausschuss des EU-Parlamentes angehört, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „An bestimmten Stellen, wie vor Schulen, schadet es sicherlich nicht, wenn man an das Tempo erinnert wird“, meint er.

Generell gilt: Sollte der Fahrer zu schnell unterwegs sein, bekommt er eine Warnung im Display. Reagiert er nicht, drosselt die Bordelektronik die Motorleistung, die Geschwindigkeit wird angepasst.

Mit dem Regelungspaket befasst sich am heutigen Dienstag der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlamentes noch einmal. Nach dessen Empfehlung muss das Plenum abstimmen – eine Zustimmung gilt, so war am Montag in Brüssel zu hören, als Formsache. Damit verstärkt die EU die Bemühungen von Autobauern selbst, ihre Fahrzeuge sicher zu machen.

Typischer Fall für das Eingreifen eines Assistenzsystems: Der Fahrer hat getrunken und bekommt postwendend die Quittung: Jeder Versuch, doch mit dem Auto nach Hause zu fahren, scheitert. Der Bordcomputer registriert übermäßigen Alkoholkonsum und verhindert das Anlassen des Motors.

Lange hatten die Fahrzeugexperten über dieses und andere Sicherheitssysteme in Pkw diskutiert. Nun macht die Europäische Union ernst. Bereits in der Vorwoche einigten sich Unterhändler des EU-Parlamentes und der Mitgliedstaaten darauf, Neufahrzeuge ab Jahrgang 2022 mit einem umfassenden Paket von – je nach Autogröße – rund 30 sogenannten Fahrerassistenzsystemen auszustatten. Der Alkoholmelder ist nur eines davon.

Generell gilt: Hinter dem Armaturenbrett zeichnet ein Mini-Rekorder alle Daten der Fahrt auf, um nach Unfällen Informationen bereitzuhalten. Es ist das gleiche Systeme, das bei den Blackboxes in Flugzeugen zum Einsatz kommt.

„Die Führerschaft, die Europa im Rahmen dieses Schritts zur Verbesserung der Sicherheit mittels Technologie in allen Formen von Transportsysteme an den Tag legt, ist begrüßenswert, da Regierungen auf der ganzen Welt mit ernsthaften Verletzungen und Todesfällen durch Unfälle auf der Straße zu kämpfen haben“, sagte Ken Kroeger, Geschäftsführer des kanadischen IT-Unternehmens „Seeing machines“ (sehende Maschinen), das sich auf Computervisionen im Verkehr spezialisiert hat.

Tatsächlich verstehe die EU-Kommission ihre Initiative als ersten Schritt auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto – und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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