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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Kuriosum: Alles in Butter auf Zypern?

06.08.2020

Brüssel Auf den deutschen Grills ist er längst zu Hause: Halloumi, hierzulande als Grillkäse im Verkauf, hergestellt nach einem fast 2000 Jahre alten Rezept aus der Milch von Kühen, Schafen oder Ziegen und mit einem unschätzbaren Vorteil: Halloumi bleibt auch bei großer Hitze in Form.

Dass ausgerechnet dieser halbfeste Käse, der ein Teil der Identität der Mittelmeer-Insel Zypern bedeutet, zu einem Risiko für die europäische Freihandelspolitik werden könnte, hatte wohl auch niemand erwartet. Doch genau das ist letzte Woche geschehen. Das Parlament der geteilten Insel in Nikosia stimmte über das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen Ceta ab – die Mehrheit sagte Nein.

Schaden an Umwelt

Die Gegner argumentierten, das ohnehin umstrittene Abkommen stärke multinationale Unternehmen und schade der Umwelt. Man habe Angst um die heimischen Agrarprodukte­. Halloumi wurde zum Signal für die Auseinandersetzungen. Nikosia dringt auf Nachverhandlungen, um Halloumi mit dem Prädikat „geschützte Ursprungsbezeichnung“ vorm Kopieren zu bewahren. „Die Ablehnung durch das zyprische Parlament zeigt, wie umstritten das Abkommen ist“, erklärte die Grünen-Europapolitikerin Anna Cavazzini. „In der Klimakrise brauchen wir einen Kurswechsel in der Handelspolitik hin zu hohen Umwelt- und Sozialstandards.“

Ceta ist seit 2017 vorläufig und bis zur Ratifizierung aller 27 nationalen Parlamente nur teils in Kraft. 99 Prozent der Zölle fielen weg. Allein im ersten Jahr stiegen Europas Exporte nach Kanada um 15 Prozent auf 40 Mrd. Euro im Jahr.

Die EU-Kommission bemüht sich, keine Unruhe aufkommen zu lassen. Ihre Experten gehen davon aus, dass man die Sache im Griff hat. Schließlich könnten „die EU und Kanada auf Beschluss des sogenannten Gemischten Ausschusses neue geschützte Produkte aufnehmen, ohne das Abkommen erneut zu öffnen“, sagte der Handelsexperte Guillaume Van der Loo vom Zentrum für Europäische Studien dem Magazin „Politico“.

Ein Problem entstünde erst dann, wenn Zypern Nachahmer findet: Auch aus Italien, Österreich, den Niederlanden sowie Frankreich gibt es bereits Kritik, obwohl die Ratifizierung noch nicht ansteht. Am Ende dürfte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Konflikt-Beilegung erarbeiten.

Käse wirft Schatten

Trotzdem liegt seit dieser Woche über der Ratifizierung von Ceta der Schatten des Halloumi-Käses. Denn längst regt sich Widerstand gegen ein weiteres Freihandelsabkommen der EU: mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay. Die Angst vor Nachteilen für Europas Landwirte ist dort groß.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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