Sandhatten - Auch wenn die Brunft beim Rehwild, unter Jägern auch Blattzeit genannt, sich allmählich ihrem Ende zuneigt, kann von Entwarnung noch keine Rede sein. „Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich“, sagt Horst Kose, Jäger und Mitglied des Hegerings Hatten. „Die Tiere richten sich nach Witterung und Temperaturen, so dass man pauschal kein definitives Ende der Brunftzeit bestimmen kann. Für alle Autofahrer ist die Folge hieraus klar: Erhöhte Vorsicht im Straßenverkehr ist weiter geboten.
Es herrscht reger Betrieb im Wald und auf den Wiesen. So sind die Rehböcke momentan damit beschäftigt, weibliche Rehe, sogenannte Ricken, vor sich her zu treiben oder Konkurrenten aus ihrem Revier zu scheuchen. „Die Böcke treiben die Ricken vor sich in großen Kreisen her“, erläutert Horst Kose das Brunftverhalten der Tiere.
„Da kann es dann auch vorkommen, gerade in Gegenden, in denen es keine großen, zusammenhängenden Waldgebiete gibt, dass dabei Straßen überquert werden.“ Und zwar nicht nur zur Dämmerungszeiten, sondern den ganze Tag über. Autofahrer würden von den Tieren dabei vollkommen ausgeblendet: „Man kann den Bock anschreien, er nimmt es nicht wahr“, verdeutlicht Horst Kose die Fokussierung der Tiere auf die Partnerwahl.
Autofahrer sind in dieser Zeit also vor allem aufgerufen, an neuralgischen Punkten besonders umsichtig zu fahren. Insbesondere auch im Hinblick auf die Unfallstatistiken im Landkreis, bei denen Unfälle mit Wildbeteiligung im vergangenen Jahr einen neuen Spitzenwert erzielten. In 31 Prozent aller Unfälle im Kreis Oldenburg waren Tiere involviert.
Einen Unfallschwerpunkt kann Horst Kose in der Gemeinde Hatten dabei nicht ausmachen. „Es ist aber zu beobachten, dass sich die Reviere durch den verstärkten Anbau von Mais allmählich verschieben.“ An zahlreichen Unfallschwerpunkten hat der Hegering wieder Warnkreuze aufgestellt. Nicht immer mit dem beabsichtigten Ergebnis: „Manche Autofahrer scheinen dann erst recht Gas zu geben“, hat Kose beobachtet. Es bleibt einzig der Appell.
