René Schneider ist in Hagenow im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. Nach dem Realschulabschluss war sich René Schneider über seine beruflichen Ambitionen nicht ganz sicher und so verpflichtete er sich für vier Jahre bei der Bundeswehr. Das hatte zur Folge, dass es René Schneider in den Landkreis Oldenburg zum Bundeswehrstandort Wildeshausen verschlug.

Als der Standort Wildeshausen geschlossen werden musste, ging es nach Oldenburg. „Eine Ausbildung muss sein“, sagte sich René und somit war klar, dass er seine Zeit bei der Bundeswehr nicht verlängern wollte. Aber welcher Beruf sollte es ein? Er informierte sich und fand Interesse an dem Beruf des Brunnenbauers. Über Kontakte bekam er die Adresse der Firma Reiner Hartmann in Hude, die ihm ein 14-tägiges Praktikum ermöglichte. Firmeninhaber Reiner Hartmann machte sich 1976 mit einer Schlosserei in Schönemoor/Altengraben selbstständig. Seit 1983 ist der Betrieb im Gewerbepark Hude/Langenberg angesiedelt und seit vielen Jahren umfasst das Leistungsangebot der Firma Hartmann neben der Schlosserei auch Brunnen, Wasserversorgungsanlagen, Erdwärmebohrungen, Wärmepumpenanlagen, Aufschluss- und Pegelbohrungen.

Aufgabenbereich Erdwärme

Ein großes Betätigungsfeld in den letzten Jahren ist speziell die Erdwärme, für die mittlerweile über 800 Anlagen von 5-100 kW fertiggestellt wurden. Das Praktikum war für René Schneider zunächst eine körperliche Anstrengung, die er so bei der Bundeswehr nicht gewohnt war. „Bei diesem Beruf muss man schon körperlich fit sein“, stellt René Schneider fest. Ihm gefiel dieser Beruf und auch Firmenchef Reiner Hartmann erkannte sein großes Potential und so konnte René Schneider im August 2009 seine Ausbildung zum Brunnenbauer in Hude beginnen. Das Aufgabenfeld eines Brunnenbauers ist sehr umfangreich. Erdbohrungen mit der dazugehörigen vorherigen Bodenansprache, Einbau von Filter und Pumpen gehören ebenso zum Beruf eines Brunnenbauers wie die Herstellung von Entwässerungsanlagen.

Ein Brunnenbauer muss nicht nur Brunnen bauen, sondern auch alte Brunnen stilllegen, regenerieren und entkeimen. Zur Ausbildung gehört aber auch die Arbeit im Büro mit der Dokumentation eines Auftrages, zum Beispiel dem Erstellen von Angeboten und Arbeitsplänen. Dadurch, dass René Schneider durch seine Tätigkeit bei der Bundeswehr bei Ausbildungsbeginn 23 Jahre alt war, konnte er seine Ausbildungszeit von drei- auf zwei Jahre verringern. Die Berufsbildende Schule lief im Blockunterricht im überbetrieblichem Ausbildungszentrum Rostrup (Bad Zwischenahn). René Schneider hatte während seiner zweijährigen Ausbildung nie Zweifel an seiner Berufswahl. „In diesem eher kleineren Betrieb habe ich mich sehr wohlfühlt. Hier geht es absolut familiär zu und die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht“, schwärmt René Schneider. Im Sommer letzten Jahres stand die Gesellenprüfung an. Im praktischen Teil musste René u.a. eine Kesselanlage aufbauen, eine Pumpe anschließen, eine Trockenbohrung vornehmen und Höhenmaße bestimmen.


Die Erstellung eines Brunnenkopfes war die Aufgabe für das Gesellenstück. Im praktischen Teil bekam René ein „Gut“, das schon in Richtung „sehr gut“ tendierte und im theoretischen Teil stand dann die Note „Sehr gut“. Damit hatte René Schneider das beste Ergebnis im Beruf „Brunnenbauer“ innerhalb der Handwerkskammer Oldenburg und war somit automatisch Kammersieger 2011. Bestes Ergebnis auf Landesebene

Da auch auf Landesebene keiner eine bessere Prüfung abgelegt hatte, war René Schneider damit auch Landessieger. Für den Bundesentscheid wurde dieses Prüfungsergebnis ebenfalls herangezogen und dort musste er sich „nur“ einem Berufskollegen „geschlagen“ geben.

Schicksalsschlag Arbeitsunfall

Glück und Leid liegen bekanntermaßen dicht beieinander. Nur eine Woche nach der Gesellenprüfung sollte ein Arbeitsunfall seine beruflichen Perspektiven verändern. Bei einer Bohrung quetschte René Schneider seine Finger zischen zwei Rohren. Am Mittelfinger und Zeigefinger der linken Hand fehlt jeweils ein Glied. Am Zeigefinger wurde dieses Glied inzwischen wieder künstlich hergestellt.

Bei allem Leid gewinnt René dem Ganzen noch etwas Positives ab: „Ich bin froh, dass nicht alle Finger ab sind!“ Große Unterstützung fand er in dieser schwierigen Zeit bei seiner Lebensgefährtin Lena und seinem Arbeitgeber, der Familie Hartmann. Als René im Januar 2012 endlich wieder gesund geschrieben war, wurde er von Familie Hartmann gleich für das Büro eingeteilt. Den Beruf des Brunnenbauers kann er so nicht weiterführen und damit kann er auch das Stipendium für den Landessieger, mit dem er seine Meisterausbildung finanzieren wollte, nicht in Anspruch nehmen.

Zukunftspläne

Ab September 2012 wird sich René Schneider in Freiberg (Sachsen) in einer zweijährigen Ausbildung zum Bohrtechniker ausbilden lassen. Auch für danach hat René Schneider schon Pläne. „Wenn alles gut läuft, werde ich noch studieren, um Ingenieur zu werden.“ „René kann was, er hat das Zeug dazu“, ist sich sein Chef Reiner Hartmann sicher. Er unterstützt seinen Noch-Mitarbeiter in dessen Plänen: „Um in einem Beruf vieles erreichen zu können, sollte man möglichst hoch qualifiziert sein. Qualifikation im Beruf ist einfach alles!“