Vechta/Leer - Die Leeraner Unternehmensgruppe Bünting (unter anderem Famila, Combi) steht vor einem umfassenden Veränderungsprozess. Wie der Vorstandsvorsitzende Markus Buntz am Montag im Gespräch mit der NWZ mitteilte, sieht das bereits 2016 gestartete Programm „Zukunft Bünting“ eine Konzentration auf den Lebensmitteleinzelhandel und millionenschwere Investitionen in die Märkte, die Senkung von Personalkosten und die Verschlankung der Verwaltung sowie Investitionen in die Beschäftigten durch umfangreiche Mitarbeiterschulungen vor. „Das Unternehmen muss sich am Markt wettbewerbsfähig ausjustieren“, sagte Buntz.
Konkret ist nach Angaben von Buntz geplant, dass durch Umstrukturierungen im Verwaltungsbereich 70 Stellen wegfallen sollen. In Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern werde für die Betroffenen eine sozialverträgliche Lösung angestrebt.
Darüber hinaus besteht das Personalprogramm laut Buntz aus drei Bausteinen. Erstens sollen die Mitarbeiter unentgeltlich eine Stunde pro Woche mehr arbeiten. Zweitens soll das Bruttogehalt um etwa fünf Prozent gesenkt werden, wobei es über eine Gehaltsumwandlung etwa über Konsumgutscheine einen Kaufkraftausgleich geben soll, so dass sich netto für die Beschäftigten praktisch nichts ändere. Und drittens soll die Vergütung in den nächsten drei Jahren bis 2019 zwar „moderat“ erhöht werden, sich aber nicht zwingend an den tarifvertraglichen Steigerungen orientieren.
Von den rund 14.000 Mitarbeitern der Bünting-Gruppe betreffe diese Regelung die rund 5700 voll sozialversicherungspflichtig beschäftigten Mitarbeiter. Auszubildende und geringfügig Beschäftigte seien davon ausgenommen.
Der Vorstandsvorsitzende betonte, dass dieses Maßnahmenpaket, über das sich die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat ausgetauscht habe, auf freiwilliger Basis erfolge. „Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Mitarbeiter solidarisch zeigen und das Personalprogramm mittragen werden“, sagte Buntz. „Unsere Mitarbeiter wissen, dass jetzt eine gemeinsame Anstrengung erforderlich ist.“
Die Bünting-Unternehmensgruppe hat sowohl 2015 als auch 2016 rote Zahlen geschrieben. Ein kostenintensiver Expansionskurs und der harte Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel hatten dem Leeraner Unternehmen zugesetzt.
Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, plant Bünting deshalb im Zuge des Programms „Zukunft Bünting“ auch massive Investitionen in die Märkte. Bis Ende 2018 sollen alle rund 230 Märkte von Famila, Combi und Jibi modernisiert und auf ein neues Konzept umgestellt werden, das sich konsequent am Kunden ausrichte, so Buntz.
Als Konzeptmarkt dient dabei der im November 2016 umgestaltete Famila-Markt in Vechta, der in Gestaltung, Frische und Warenpräsentation an einen Wochenmarkt erinnern soll. Einen Schwerpunkt bilden Produkte regionaler Anbieter sowie frisch zubereitete Waren, etwa Salate, aber auch Sushi. Breite Gänge und flache, nur 1,60 Meter hohe Regale sollen für Offenheit und eine entspannte Atmosphäre sorgen, so Buntz. In den Konzeptmarkt in Vechta sei ein „sehr niedriger einstelliger Millionenbetrag“ investiert worden. Wie viel Bünting insgesamt in die „Mobilisierung des Kerngeschäfts“ investieren werde, wollte er nicht sagen.
