Cloppenburg - Mehr Mitspracherechte wünschen sich diejenigen Bürgerinitiativen im Kreis Cloppenburg, die sich gegen den Netzausbau und die Planung einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Conneforde über Cloppenburg nach Merzen wehren (dieNWZ berichtete). Diesen Wunsch trug am Mittwoch André Röckmann von der „Bürgerinitiative 380 kV – Wir wehren uns“ beim öffentlich tagenden Kreisausschuss für Planung und Umwelt vor.
Grundsätzlich könne man sich vorstellen, Vertreter der Initiativen zu einzelnen Themen in einen Arbeitskreis einzubeziehen, der aus Vertretern der Städte und Gemeinden sowie des Kreises besteht, so Baudezernent Georg Raue. Man würde das Anliegen im Arbeitskreis diskutieren.
Eine direkte Beteiligung der Bürger gelte aber nicht für das seit vergangener Woche bestehende Landkreisforum, welches von der für die Planung zuständigen Firma Tennet ins Leben gerufen worden sei, so Raue. In diesen Diskussionsforen sollten im Dialog mit Tennet alle Aspekte des Netzausbaus mit jeweils fünf Vertretern der – von der Trasse – betroffenen Landkreise besprochen werden. Ein bis zweimal monatlich solle so die Möglichkeit bestehen, kritische Punkte zu diskutieren.
Die strittigen Punkte fasste Professor Dr. Karsten Runge in seinem Vortrag zusammen. Wie berichtet, hatte der Berater aus Hamburg die Aussagen der Tennet bewertet, die das Unternehmen auf einen Fragenkatalog des Kreises bezüglich der konkreten Planung gemacht hatte. Seiner Meinung nach positioniere sich Tennet unzureichend bezüglich einer Vermeidung von Siedlungsannäherung durch die 380-kV-Leitung. Außerdem sei die Erforderlichkeit eines zweiten Umspannwerkes nicht ersichtlich. Des weiteren solle bereits während der Planung für die Umspannwerke die Variante von gasisolierten Kabeln statt einer luftisolierten Variante in Betracht gezogen werden, da diese einen erheblich kleineren Flächenverbrauch hätten. Laut Runge könnten so weitere Standorte für das Umspannwerk im Cloppenburger Stadtgebiet in Betracht gezogen werden. Tennet will die Variante der gasisolierten Kabel erst prüfen, wenn ein Umspannstandort gefunden sei. Runge ermutigte den Kreis, Tennet um Klärung zu bitten.
Der zweite Sachverständige, Professor Dr. Christian Becker (Hamburg), stellte außerdem das Ergebnis seiner Bedarfsprüfung für die geplanten Maßnahmen vor. Laut seiner Berechnungen sei sowohl der Ausbau als auch der Neubau der Trasse sinnvoll.
