Oldenburg - Alles war etwas anders auf dem Rasen zwischen „Wilhelm 13“ und dem alten Luftschutzbunker in der Leo-Trepp-Straße. Wo sonst Ruhe herrscht oder Hunde spielen, versammelte sich am Freitag eine Gruppe von Hobby-Gärtnern, stellte Grünkohlpflanzen in Kartoffelsäcken auf, werkelte an einem Stützgestell für Tomaten und an einer Kräuterspirale aus Klinkersteinen. Jeder darf mitackern, jeder kann später miternten, auch Gießen und Pflücken ist erlaubt.
Die neue Lust am gemeinschaftlichen Gärtnern firmiert unter dem Trend-Begriff „Urban Gardening“ – die Initiative zum „Bunkergarten“ am „Wilhelm 13“ haben Matthias Huck (32), Anne-Christin Ludwig (27), Klaus Hien (62) und Anna Greive (27) geboren. Sie gehören der Transition Town Oldenburg (TTOL) an – dahinter verbirgt sich eine Gruppe von Menschen, die einen gesellschaftlichen Wandel „von unten“ beleben will. „Im weitesten Sinne zielen wir darauf ab, Harmonie zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Natur zu schaffen“, so Anna Greive.
Auf der Suche nach einer Fläche fürs „Urban Gardening“ stießen die umweltbewussten Oldenburger bei der Stadt auf offene Ohren. Als erstes öffentliches Areal hat die Stadt Oldenburg den „Bunkergarten“ zur Verfügung gestellt. „Wir unterstützen das gerne, das Thema hat eine positive Ausstrahlung“, sagt Klaus Büscher, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Bauordnung. „Dieser Ort ist sehr gut geeignet, um wahrgenommen zu werden“, so Büscher. Die Verwaltung wolle verschiedene Gruppen, die in diesem Bereich aktiv sind, zusammenführen: „Wir haben dafür mehrere Orte im Stadtgebiet im Blick.“ Auch für die Fläche des „Bunkergartens“ soll mittelfristig eine „gute Alternative“ entwickelt werden, verspricht Büscher. Denn der aktuelle Nutzungsvertrag mit der Stadt gilt nur bis Ende September. Dann soll zunächst die Rasenfläche in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden. Daher stehen im Moment fast alle Pflanzen in mobilen Säcken und Kübeln.
Die bisherige Resonanz sei enorm, berichtet Matthias Huck. Aufmerksame Nachbarn haben spontan Kaffee, Wasser und Snacks zur Stärkung vorbeigebracht oder ihre Mitarbeit ankündigt.
„Das Ziel des Projekts ist es, auch langfristig den eigenen Nahrungsmittelanbau zu fördern, Kreativität und Naturerfahrung in der Stadt zu ermöglichen“, erläutert Klaus Hien von der Organisation Slow Food. Insbesondere Kindern soll das Gärtnern näher gebracht werden. Interessierte, Schulen und Kindergärten können sich an Klaus Hien unter Tel. 240 83 wenden.Gelegenheit zum Gemeinschaftsgärtnern in großer Runde gibt es am Mittwoch, 6. August, ab 14 Uhr.
