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Menschen Bunte Steine kein Kinderspiel

Jever/Wilhelmshaven - Wenn demnächst ein neuer Lego-Bausatz in den Geschäften steht, dann steckt darin eine Idee aus Jever: Andreas Baumgart (46) hat ihn im Rahmen des Lego-Ideenwettbewerbs „Robot remix“ entwickelt.

Der Jeveraner gehört zu 50 Tüftlern weltweit, die mit ihren Ideen die Lego-Community inspirieren. „Die Zusammenarbeit ist witzig: Man hat eine Idee, bewirbt sich – und irgendwann kommt dann ein großes Lego-Paket mit allem, was man für die Umsetzung benötigt. Dann geht es ans Konstruieren“, sagt der studierte Elektrotechniker und Mikroelektroniker.

Begonnen hat sein Faible für die Bausteine aus Dänemark und insbesondere die programmierbaren Roboterbausätze 2013 – da wurde er Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Jade-Hochschule Wilhelmshaven: „Die Möglichkeiten, die Lego Mindstorms bietet, haben mich schon immer interessiert. Und die nutze ich nun, um die Studenten für Informatik zu interessieren und zu begeistern“, erklärt er.

In Schritten zur Lösung

In die Lego-Mindstorms-Bausätze sind Minicomputer, genannt „programmierbarer Stein“, integriert. Baumgart hat eine Möglichkeit gefunden, diese so umzuprogrammieren, dass sie mit der Programmiersprache Java, die an der Hochschule gelehrt wird, zu beschreiben sind. „Damit können wir Standard-Bausätze nutzen, um etwas völlig Neues daraus zu machen“, sagt er. „Und das kommt gut an: Den Studierenden gefällt es.“ Und zwar so gut, dass der 46-Jährige im vergangenen Jahr für sein Engagement mit dem Lehrpreis für besondere didaktische Projekte ausgezeichnet wurde.

Natürlich wird an der Hochschule nicht einfach mit Lego gespielt: „Es ist durchaus anspruchsvoll, ein Programmierproblem in kleine Schrittfolgen zu zerlegen, um sich an eine Lösung heranzutasten“, erklärt Baumgart. Per Roboter oder Maschine werde indes sofort anschaulich, welche Effekte die Programmierung hat. „Man sieht, was man geschrieben hat“, sagt Baumgart.


Dazu hat er mit einem Team aus Studenten die Produktionslinie Papercube gebaut: das ist eine vollautomatische Papierwürfelfabrik aus Legosteinen. Die Anlage schneidet, faltet und klebt aus einem Stück Papier einen Würfel. „Wir haben 2015 mit dem Bau begonnen und entwickeln die Anlage immer weiter. Im vergangenen Jahr kam ein Laser dazu, der die Schneidearbeiten optimiert und uns nun eine vollautomatische Produktion ermöglicht“, so Baumgart.

Die Idee dahinter: Papierwürfel kennt jeder, Papier ist überall erhältlich. „Und eine Produktionslinie statt Robotern zu verwenden, macht das System zum Beispiel auch für angehende Wirtschaftsingenieure nutzbar – die beschreiben ja eher Prozesse und analysieren sie, als sie zu entwickeln“, sagt Andreas Baumgart.

Die Papierwürfelfabrik hat Andreas Baumgart mittlerweile sogar quer über den Globus geführt. „Wir konnten das Projekt bei den World Robot Olympiaden in Katar und Neu-Delhi vorstellen und waren schon zweimal auf der IdeenExpo in Hannover dabei“, schwärmt er. Hinzu kommen Vorträge und Präsentationen wie im April beim internationalen Kartonmodellbau-Treffen in Bremerhaven. „Denn die Industrie ist durchaus auch interessiert an Lösungen, die wir entwickelt haben.“

Aha-Erlebnisse

Ihm gefällt, dass sein Papercube für Aha-Erlebnisse sorgt: „Viele Leute, die sich die Anlage ansehen, staunen darüber, dass man so etwas aus Lego bauen kann.“ Doch eigentlich geht es ihm gar nicht darum, zu zeigen, was mit Lego alles geht: „Ich will zeigen, was man alles machen kann, wenn man eingefahrene Wege und vorgegebene Programme verlässt, selbst kreativ wird, sich Problemen annimmt, tüftelt und dann zu ganz eigenen Lösungen kommt.“ Lego eigne sich dafür allerdings besonders gut: „Man kann Mindstorms mit allen anderen Lego-Welten verbinden und etwas ganz neues daraus machen“, sagt er. So hat er einen Jungen angeregt, der einen Mindstorm-Roboter besitzt, ihn so umzurüsten, dass er das Parkett putzt. „Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele“, sagt Baumgart und lacht.

Auch zuhause baut er übrigens mit Lego. Denn natürlich bringt er Probleme aus der Hochschule mit nach Hause. Entwickelt hat er etwa einen Müslispender, der immer mal wieder genutzt wird. Und zurzeit baut er an einer Anlage, die Bilder in den Sand malt.

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