Burhave - Seit Juli 2013 gibt es bei der Butjadinger Kurgesellschaft einen Betriebsrat. Jetzt standen turnusmäßig erstmals Neuwahlen an. Ergebnis: Jana Müller fungiert auch künftig als Vorsitzende. Ihre Stellvertreterin ist Bärbel Cordsmeier. Patrik Poelmeyer vervollständigt die Arbeitnehmervertretung. Auch wenn im September 2016 nach zähem Ringen mit der Geschäftsführung ein an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) angelehnter Haustarif ausgehandelt und verabschiedet wurde, sieht das Trio aktuell noch etliche Aufgaben, die zu bewältigen sind.

Neun Kandidatinnen und Kandidaten waren bei der Betriebsratswahl angetreten. Die Wahlbeteiligung sei hoch gewesen, sagt Jana Müller. Fast alle festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten ihre Stimme abgegeben.

Bei der Kurgesellschaft arbeiten laut Betriebsrat in der Saison aktuell bis zu 50 Beschäftigte, außerhalb der Saison sind es rund 30. Immer wieder mal monieren Kritiker von Tourismus-Service Butjadingen (TSB), dass die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu hoch sei.

Der Betriebsrat möchte gerne belegen, dass das nicht der Fall ist. Er fordert daher von Geschäftsführer Robert Kowitz eine genaue Auflistung, wie viele Stunden die zu leistende Arbeit erfordert und viele Stunden die Beschäftigten laut ihren Verträgen arbeiten müssen. Das, so die Arbeitnehmervertreter, soll für Transparenz sorgen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Diskussionen über dieses Thema Rückendeckung geben und zudem belegen, dass die Personaldecke keineswegs zu dick ist.

Dass die derzeitige Personalstärke erhalten bleibt, ist allerdings nicht gewährleistet. Dadurch, dass es bei der Kurgesellschaft nun einen Haustarif gibt und die Beschäftigten mehr verdienen als vorher, seien die Personalkosten gestiegen. Diese Mehrausgaben versuche die Geschäftsführung dadurch zu kompensieren, dass freiwerdende Stellen nicht wiederbesetzt werden, sagt Jana Müller. Dass das beim Betriebsrat nicht gerade Jubelrufe auslöst, liegt in der Natur der Sache. Dem Betriebsrat sei es – wenn auch nur mit anwaltlicher Hilfe – gelungen, eine Betriebsvereinbarung über Arbeitszeitkonten mit der Geschäftsführung abzuschließen, berichtet Jana Müller. Darin seien Regelungen zu Überstunden getroffen worden. Die konnten sich die Beschäftigten auch schon vorher auf Arbeitszeitkonten gutschreiben lassen – aber ohne, dass es dafür eine klare Form gegeben habe. Das habe sich nun geändert.

Durch den im September 2016 abgeschlossenen Haustarif schlagen Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst automatisch auch auf die Beschäftigten der TSB durch. In diesem Jahr habe das allerdings einer Extraeinladung an die Geschäftsführung bedurft, merkt Jana Müller an. Unterm Strich sind die Arbeitnehmervertreter indes froh, dass es die Regelung überhaupt gibt und die Belegschaft rückwirkend ab März mehr Geld bekommt. Die Kurgesellschaft beschäftigt derzeit fünf Auszubildende, die Kaufleute für Tourismus und Freizeit werden wollen. Im August kommen zwei neue Azubis hinzu. Sie werden künftig eine Stimme haben, die ihre Interessen gegenüber der Geschäftsführung vertritt: Bei der TSB steht erstmals die Wahl einer Jugend- und Auszubildendenvertretung an.

Der Organisationsgrad bei der Kurgesellschaft ist hoch. Mehr als 70 Prozent der Beschäftigten seien Mitglied in der Gewerkschaft, sagt Jana Müller. Im Aufsichtsrat werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Astrid Blaschke vertreten.