BURHAVE - Rund 60 Mitglieder des 140 Mitglieder zählenden Butjadinger Landfrauenvereins versammelten sich bei Kaffe und Kuchen im „Butjadinger Hof“ in Burhave. Ute Francksen berichtete kurz über erfolgreiche Beteiligungen am Herbstmarkt in Fedderwardersiel und am Milchforum. Es folgte ein Vortrag von Helmut Bahlmann aus Brake, Pastor im Ruhestand.
Bahlmann beschäftigt sich seit langem mit dem demographischen Wandel. Motto seines Vortrages: „Hilfe, wir sterben aus!“ Laut Bahlmann besteht das Problem des demographischen Wandels nicht erst seit gestern. Seit 1850 sinkt die Zahl der Kinder, die pro Frau geboren werden. Wie er anhand von Grafiken verdeutlichte, lag die Zahl der Geburten bis 1970 – von einigen Schwankungen abgesehen – immer über der Zahl verstorbener Kinder. Dies änderte sich schlagartig ab 1970. Bahlmann spricht hier vom Pillenknick.
Rein statistisch gesehen müsste jede Frau 2,3 Kinder zur Welt bringen, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Tatsächlich sind es wesentlich weniger. Diese Problematik besteht europaweit.
Zu den offensichtlichen Gründen gehört eine spätere Familienplanung als früher. Das Durchschnittsalter von Müttern, die ihr erstes Kind bekommen, liegt heute bei 30 Jahren. Hinzu kommt das Problem eines „Geburtenstreikes“ von höher gebildeten Frauen. So haben 48 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss im Alter von 38 Jahren noch kein Kind. Auch der Kinderwunsch bei Männern nimmt ab, sie haben laut Bahlmann Angst vor der Verantwortung.
Ein weiteres Problem sieht Bahlmann im Bereich der Sexualität. Sie diene heute nicht mehr als Quelle des Lebens, sondern mehr als das einzige Bindeglied zwischen Mann und Frau. Kinder seien für viele nur lästiges Beiwerk. Bahlmann: „Das Problem ist bekannt, wir werden immer weniger, und die Jungen schaffen es nicht mehr, das Heer der Alten zu versorgen.“
Bahlmann zeigte Lösungswege auf, die auf lange Sicht aus der Krise führen könnten. So müssten die Lasten mindernden Leistungen des Staates wie zum Beispiel das Kindergeld erhöht werden. Auch müssten Kinder bei der Berechnung der Rente wesentlich stärker berücksichtigt werden. Die Gesellschaft sollte junge Mütter solidarisch unterstützen, damit diese nicht mehr das Gefühl haben, dass sie sich durch ein Kind den weiteren Lebensweg verbauen.
Für Diskussion sorgte sein Vorschlag, Abtreibungen und die Abgabe von Pillen nicht mehr von Krankenkassen finanzieren zu lassen. Nach kurzer Aussprache beendete Vorsitzende Ute Francksen die Zusammenkunft und wies darauf hin, dass manchmal schon ein Blick zu den Nachbarn in Frankreich reiche, die das Problem schon besser im Griff haben. Dort würden auch Mütter, die zu Hause bleiben, voll und ganz von der Gesellschaft akzeptiert.
