BURHAVE - „Die Kundenbrille aufsetzen“: Das ist das wichtigste Erfolgsrezept, das der Tourismusberater Oliver Becker seinen Klienten mitgeben kann. Am Montagabend sprach der 41-Jährige, der in Oldenburg ein Beratungsbüro betreibt, in einer Veranstaltung des Tourismus-Service Butjadingen (TSB) im Atrium. Gut 70 touristische Leistungsträger aus ganz Butjadingen hörten ihm zu.
„Das wichtigste Thema ist Service-Qualität“, sagte der Referent. Denn der Touristikmarkt ist schwierig. Es gibt in Deutschland ein Überangebot an Betten, das Angebot ist stark vereinheitlicht und der Service nicht selten mangelhaft. Auf der anderen Seite ist der Urlauber anspruchsvoll, selbstbewusst und gut informiert. Zudem ist er höchst mobil und nahezu jederzeit bereit, sein Urlaubsziel zu wechseln. „Jeder Gast hat ständig zwischen vier und sechs Urlaubsziele im Hinterkopf“, sagte Oliver Becker. „Der Stammgast ist sehr wertvoll.“
Hinzu kommt, dass sich der Markt – wie in vielen anderen Bereichen auch – polarisiert: Das Mittelmaß ist nicht mehr gefragt. Gebucht wird die günstige Basisqualität oder das teure Premium-Angebot. Wer sich in einem so schwierigen Markt behaupten will, muss also richtig gut sein.
Wer im Premium-Segment aktiv sein will, muss Überraschungs-Qualität bieten. „Werden Sie zumConcierge!“ rief Oliver Becker seine Zuhörer auf. Ein Concierge ist viel mehr als ein Hausmeister. Er ist die gute Seele des Hauses, er weiß, was der Gast will, ehe der es ausgesprochen hat. Ähnliche Qualitäten hatte auch der einst von Fritz Eckhardt verkörperte Portier im Wiener Hotel Sacher.
Entscheidend sei auch, dem Gast auf Augenhöhe zu begegnen. Becker zitierte den Wahlspruch der amerikanischen Hotelkette Ritz-Carlton: „Wir sind Damen und Herren, die Damen und Herren bedienen.“ Im Idealfall wird der Gast empfangen wie ein Freund.
Neben der Servicequalität sei es wichtig, Alleinstellungsmerkmale zu bieten. „Strand und Meerwasser sind keine Alleinstellungsmerkmale“, sagte Becker. TSB-Geschäftsführer Johannes Cassens verwies in diesem Zusammenhang auf die Nordsee-Lagune mit biologisch geklärten Wasser, mit der Butjadingen ein Alleinstellungsmerkmal habe. Oliver Becker erwähnte „die größte Kohlroulade der Welt“, die auf Norderney serviert wird und einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde bekommen hat.
Weiter empfahl Becker seinen Zuhörern Ideenbörsen mit Partnern am Ort, Kooperationen, höchste Aufmerksamkeit für Trends und Erfolgskontrolle. Ein weiterer Erfolgsfaktor seien Garantien. Er zitierte die Schneegarantie aus dem Schwarzwald und die Schlafgarantie, die ein Anbieter für Wanderurlaub im Osnabrücker Land gibt.
Nicht zu unterschätzen seien auch die guten alten Souvenirs, die zwischenzeitlich als „Giveaways“ unter die Räder gekommen waren. Wer seinem Gast beispielsweise eine schicke Kaffeetasse mit einem Bild vom Urlaubsbetrieb überreiche, werde ihn mit größerer Wahrscheinlichkeit wiedersehen.
Als weiteres Erfolgsrezept nannte der Tourismus-Berater aus Oldenburg „Zeitwohlstand“ für den Gast. Damit ist gemeint, dass der Gastgeber dem Gast während seines Aufenthalts lästige Alltagspflichten abnimmt. Der Referent zitierte ein Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern, wo ein Gastgeber die Autos seiner Gäste durch die TÜV-Prüfung bringt: Ein Verwandter betreibt eine Kfz-Werkstatt. Oliver Becker: „40 Prozent der Gäste kommen wegen dieses Angebots.“
Der komplette Vortrag ist im Internet zu finden unter der Adresse www.ihr-tourismusberater.de/Für meine Kunden/BUT022008
