Im Nordwesten - Die nächsten zwölf Minuten an diesem Abend in Bremen gehören den Gründerinnen Laura Knüfermann und Hanna Schlitt aus Münster. Sie sind angetreten, um die Backwarenregale im Supermarkt zu revolutionieren. Die beiden Ernährungswissenschaftlerinnen blicken in die Gesichter ihrer potenziellen Investoren und legen los. Ihr veganes Bananenbrot hat es bereits in einige Regale in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschafft. Nun wollen sie mit ihrem Start-up Glowkitchen weiter wachsen, den Vertrieb ausbauen und die Produktpalette um andere gesunde Snacks erweitern. Ermöglichen soll das eine Finanzierungsrunde.
Die Gründerteams
Die Suche nach Investorinnen und Investoren führte die beiden nun nach Bremen, wo sie sich und ihr Unternehmen bei den Business Angels Weser-Ems-Bremen vorstellten. Der Verein vermittelt zwischen Business Angels, die sich mit Geld aber auch ihren eigenen Erfahrungen und Netzwerken in junge Unternehmen einbringen, und Start-ups. Bei Business Angels handelt es sich oft selbst um erfahrene Unternehmerinnen oder Gründer. So hat einer der Teilnehmer in Bremen bereits mehrere eigene Start-ups gegründet, inzwischen aber nicht mehr die Zeit, alles selbst in die Hand zu nehmen. Er sucht an dem Abend nach einem Start-up mit einer neuen Idee und einem überzeugenden Geschäftsmodell, für das er auch einen Markt sieht.
Fünf Start-ups aus ganz Deutschland haben sich den Business Angels Weser-Ems-Bremen vorgestellt.
eLive aus München entwickelt eine Plattform, über die man virtuelle Wohnzimmerkonzerte buchen kann.
Glowkitchen aus Münster will vegane und gesunde Backwaren in Supermärkte bringen.
Harvest AI aus Potsdam setzt auf Künstliche Intelligenz in Gewächshäusern, um Ernten vorherzusagen.
Ito Ito aus Bremen will Designer für nachhaltigere Mode digital mit Strickmaschinen vernetzen.
Trainr aus Karlsruhe bietet eine staatlich geprüfte Online-Ausbildung zum Fußballtrainer an.
Um ihn und die anderen potenziellen Investorinnen und Investoren zu überzeugen, bleibt den fünf Start-ups an diesem Abend nicht viel Zeit. Zwölf Minuten haben sie, um sich vorzustellen. Diese in der Gründerszene üblichen Pitches dienen als Grundlage für weitere Gespräche und spätere Verhandlungen.
Wer sich an diesem Abend präsentieren darf, hat sich bereits in einem Auswahlverfahren durchgesetzt. Einmal im Quartal veranstalten die Business Angels Weser-Ems-Bremen solche Pitch-Events. In drei Monaten erreichen den Verein bis zu 150 Bewerbungen aus ganz Deutschland, sagt der Vorsitzende und Oldenburger Professor Christian Horneber. Bei der Auswahl achte der Verein unter anderem auf die Gründerpersönlichkeiten, zu einem gewissen Grad auch auf den regionalen Bezug und darauf, dass die Start-ups bereits Umsatz erwirtschaften. „Eine schöne Präsentation reicht nicht aus“, sagt Horneber. „Die Start-ups müssen sich in der richtigen Phase befinden.“
Die Engel-Investoren
Aber auch bei den potenziellen Investorinnen und Investoren schaut der Verein genau hin. Jedes Mitglied unterzeichne einen Verhaltenskodex, der sich an denen großer Risikokapitalgeber orientiere.
Die Investorenlandschaft hat sich durch Corona, die gestiegene Inflation und die allgemeine Verunsicherung in der Wirtschaft verändert. Für Start-ups ist es schwieriger geworden, an Risikokapital zu kommen. Gründer finanzieren sich in Deutschland überwiegend durch eigene Ersparnisse und Geld von Freunden und Familie. Dennoch entfielen im vergangenen Jahr in Niedersachsen nach Angaben des Vereins mit 82 von 134 getätigten Investments in Start-ups mehr als die Hälfte auf Business Angels.
Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Start-ups zu Finanzierungen zu verhelfen, Investorinnen und Investoren aus der Region interessante Investmentmöglichkeiten zu vermitteln und dabei den Wirtschaftsstandort im Nordwesten zu stärken.
Kommen ein Start-up und ein Mitglied des Vereins überein, so fließen im Mittel üblicherweise 50 000 bis 60 000 Euro. Aber auch größere Finanzierungsrunden kamen bereits zusammen. Das Getränke-Start-up Bettergy aus Bremen etwa schloss beim letzten Pitch-Event eine solche Finanzierungsrunde ab.
Gerade bei Business Angels ist Geld allerdings nicht alles. „Uns ist der persönliche Austausch super wichtig“, sagt Hanna Schlitt. „Wir suchen nach verschiedenen Kompetenzen beispielsweise im IT-Bereich oder im Handel, die uns auch inhaltlich weiterbringen.“ Ob das gelungen ist, wird sich zeigen. An die entscheidenden zwölf Minuten schließt sich an diesem Abend jedenfalls das ein oder andere Gespräch an.
