BUTJADINGEN - BUTJADINGEN - Für Schiffe aus der Deutschen Bucht ist er nach dem Leuchtturm „Alte Weser“ der erste Ansteuerungspunkt: Der 1855/56 auf einem Fundament aus 120 Holzpfählen gebaute Leuchtturm „Hohe Weg“. Gestern war dieses älteste feste Schifffahrtszeichen der Außenweser 150 Jahre im Betrieb (siehe auch Regionales).
Die Außenweser ist der sich trichterförmig von der Nordsee bis Bremerhaven verjüngende Bereich der Weser.
Zum Jubiläum hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven (WSA) alles frisch renoviert. Zehn Kojen stehen zur Verfügung. Eine neue Küche ist eingebaut worden. Der Aufenthaltsraum ist hell und freundlich eingerichet für die Wartungstrupps, die ein- bis zweimal pro Monat kommen und maximal zwei Tage bleiben. „Der Leuchtturm ist voller Eektronik und die braucht eben menschliche Wärme“, schmunzelt Alfred Bätza aus Rodenkirchen, Leiter der zuständigen WSA-Außenabteilung Blexen. „Wir sind praktisch die Straßenmeisterei auf dem Wasser.“
„Hohe Weg“ ist der einzige Leuchtturm in der Außenweser, der trocken fällt. Würde der vergleichsweise leicht erreichbare achteckige Turm touristisch genutzt, böte er bei Ebbe einen Sandstrand.
Rolf Pilz aus Bremerhaven, Vorsitzender des Fördervereins „Rettet den Leuchtturm Roter Sand“ geht von besseren touristischen Vermarktungsmöglichkeiten aus als beim Leuchtturm „Roter Sand“, der seit 1999 touristisch genutzt wird (von Mitte Mai bis Mitte September eines Jahres).
Doch der 150 Jahre alte Leuchtturm „Hohe Weg“ hat noch lange nicht ausgedient. „Als Radarturm bleibt Hohe Weg unverzichtbar“, sagt Diplom-Ingenieur Werner Kinkartz vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven. „Die damit gewonnenen Daten helfen Schiffsführern großer und kleiner Pötte, sicher zu navigieren. Lotsen nutzen die Signale zur Beratung der Kapitäne.“
Gestern war das 36 Meter hohe Schifffahrtszeichen auf der gleichnamigen Wattfläche vor der Küste Butjadingens zwischen Jade und Weser seit 150 Jahren in Betrieb. Dazu gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke der Serie „Leuchttürme“ heraus.
Die alte Lichtanlage war 1941 entfernt worden. 1960/61 wurde der Leuchtturm zu einer von vier geplanten Radarstationen in der Außenweser umgestaltet. Ein neues Mittelspannungskabel wurde zwischen Langwarden und dem Leuchtturm verlegt. Seit 1973 laufen alle Anlagen automatisch.
Angesichts der modernen Technik kommt Hans-Georg Dambrowski (70), der vor 33 Jahren als einer der letzten Leuchtfeuerwärter Hohe Weg verlassen hatte, alles fremd und ungewohnt vor.
Vier Männer leisteten in einem Turnus von 14 Tagen – in früheren Zeiten waren es vier Wochen – ihren Dienst auf dem Leuchtturm – im Vier-Stunden-Wechsel. Hans-Georg Dambrowski war auch auf „Alte Weser“ und „Roter Sand“ sowie „Robbenplate“ tätig. Insgesamt zehn Jahre war er Leuchtfeuerwärter. Aufgehört hat er nach einigen Monaten auf „Hohe Weg“. Hier hatte er auch angefangen – im Mai 1963 als Aushilfskraft. „Ich war der Jüngste, bin mit 28 angefangen. Die anderen waren Ende 50. Langeweile haben wir nie gehabt.“
Dambrowski erinnert sich gerne an das plattdeutsch „Buttpricken“ genannte Fischefangen per Hand im flachen Wasser bei Ebbe. Der Leuchtturm „Robbenplate“ hat ihm freilich besser gefallen: „Da konnten wir schöne Aale angeln.“
