Butjadingen - Um Tankstellen können die Beschäftigten der Butjadinger Gemeindeverwaltung bei Dienstfahrten seit gut zwei Jahren einen Bogen machen – sie sind stattdessen öfter mal auf der Suche nach einer Steckdose. Anfang November 2015 hatte die Gemeinde ein Elektro-Auto als Dienstwagen übernommen, das die Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg zur Verfügung stellt.
Im Januar läuft der Leasingvertrag für den strombetriebenen VW Up nun aus. Zwar einigte sich der Gemeinderat darauf, dass der Vertrag um ein halbes Jahr verlängert werden soll. Dennoch ist nicht sicher, dass Butjadingen weiterhin klimafreundlich unterwegs ist. Die Mehrheitsgruppe im Rat meldet Zweifel daran an, dass ein Elektroauto vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt sinnvoll ist für die Gemeinde.
Geringe Reichweite
Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stand das Thema E-Mobilität gar nicht auf der Tagesordnung. Dass es dennoch intensiv diskutiert wurde, lag an Dr. Hans Hortig (Unabhängige). Er hatte in einem Antrag gefordert, dass künftig der Rat darüber entscheidet, mit welcher Art Dienstwagen die Beschäftigten der Gemeindeverwaltung fahren. Hintergrund ist das Auslaufen des Leasingvertrags für den VW Up.
Die Gemeindeverwaltung möchte ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin die Möglichkeit geben, dienstliche Fahrten mit einem Dienstwagen zu erledigen. Und sie möchte dabei auch weiterhin auf E-Mobilität setzen. Da die Reichweite des derzeit genutzten VW Up eher mager ist – eine Akku-Ladung reicht für maximal 120 Kilometer –, hatte die Gemeinde mit einem anderen Fahrzeug geliebäugelt. Über die Metropolregion wäre zum Beispiel ein VW E-Golf zu beziehen, für den zwar eine höhere Leasingrate fällig würde, der aber eine deutliche größere Reichweite hätte als ein Up.
Hans Hortig empfiehlt weder das eine noch das andere Auto. Er ist davon überzeugt, dass E-Autos gar nicht so klimafreundlich sind, wie ihnen nachgesagt wird – zumindest dann nicht, wenn man auch die Herstellung der Motoren und Akkus berücksichtigt. Zudem seien die Kosten höher als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Das steht auch für Claudia Cornelius (CDU) fest. Sie bemängelt außerdem die nur geringe Reichweite von E-Autos.
Bettina Nordholz (SPD) sowie Jürgen Sprickerhof (Grüne) hielten dagegen. Wenn Elektro-Autos mit Ökostrom „betankt“ werden, seien sie umweltfreundlicher als herkömmliche Pkw, sagte Jürgen Sprickerhof. Die Gemeinde sollte bei der E-Mobilität Vorbild sein, fand Bettina Nordholz.
Nachhaltige Gemeinde
Das möchte sie auch sein, wie Bürgermeisterin Ina Korter in Erinnerung rief. Die Nutzung des Elektro-Autos als Dienstfahrzeug ist Teil eines Gesamtkonzeptes, mit dem sich Butjadingen als klimafreundlich empfiehlt – auch bei Touristen. Eingebunden ist daher auch die Kurverwaltung, die ebenfalls E-Autos nutzt und damit bislang gute Erfahrungen gemacht hat.
Trotz des höheren Anschaffungspreises seien Elektro-Autos unterm Strich günstiger als herkömmliche Wagen, sagt Kurdirektor Robert Kowitz. Das Problem mit der geringen Reichweite relativiere sich dadurch, dass das Netz an Ladesäulen immer dichter werde. Zudem könne die Feriengemeinde durch die Förderung der E-Mobilität mit Nachhaltigkeit punkten.
Entschieden ist die Sache nicht. Der Rat folgte mehrheitlich einem Antrag von Jürgen Sprickerhof, demnach die Gemeinde für 150 Euro im Monat noch für ein halbes Jahr den VW Up least, so dass keine Lücke entsteht. Danach kann die Verwaltung aber nicht alleine entscheiden, wie es weitergeht, sondern muss sich das Okay des Gemeinderats einholen. Das entspricht dem Antrag von Hans Hortig, dem der Rat mit knapper Mehrheit zustimmte.
