Butjadingen - Versickern bei Tourismus-Service Butjadingen 175 000 Euro im Nichts? Das befürchtet Grünen-Ratsherr Jürgen Sprickerhof. Im Finanzausschuss des Gemeinderats hat er am Donnerstagabend beantragt, dass die Summe für Investitionen verwendet wird – dafür nämlich sei das Geld bestimmt. Der Ausschuss stimmte über den Antrag nicht ab, sondern verwies ihn in den Aufsichtsrat der Kurgesellschaft.
Die Finanzen der Butjadinger Kurverwaltung sind eine hochgradig komplexe Materie. Entsprechend rauchten den Mitgliedern des Finanzausschusses auch bei dem Vortrag, mit dem Jürgen Sprickerhof seinen Antrag begründete, die Köpfe – zumal ihnen Kämmerer Bernd Rummel im Vorfeld bereits lange Zahlenkolonnen erklärt hatte, als es darum ging, eine von der Kurgesellschaft geplante Kreditaufnahme in Höhe von 480 000 Euro und eine Änderung des Pachtvertrags zwischen TSB und der Butjadingen Kur & Touristik (BKT) zu bewilligen.
Jürgen Sprickerhof führte den folgenden Sachverhalt aus: Urlauber, die sich in Butjadingen aufhalten, müssen einen Gästebeitrag, den früheren Kurbeitrag, zahlen. Ein Teil des Geldes ist nach Auskunft des Grünen-Ratsherren für die Werterhaltung der Anlagen der Kurgesellschaft bestimmt – für Investitionen also. Nach dem Wirtschaftsplan für 2018 müssten das in diesem Jahr 175 000 Euro sein.
Tatsächlich, so Jürgen Sprickerhof, wolle die Kurgesellschaft ihre geplanten Investitionen komplett über Kredite finanzieren – eben die 480 000 Euro, die Donnerstagabend der Finanzausschuss bewilligt hat. Die 175 000 Euro tauchten dabei nirgendwo auf. Eine Antwort, was mit diesem Geld geschehen soll, sei ihm TSB- Geschäftsführer Robert Kowitz bislang schuldig geblieben, so Jürgen Sprickerhof. Mit seinem Antrag fordert er, dass der für Investitionen vorgesehene Anteil des Gästebeitrags auch tatsächlich dafür verwendet wird.
Robert Kowitz weist die Vorwürfe des Grünen-Ratsherren, der auch als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der TSB fungiert, als „sehr weit hergeholt“ zurück. Im Wirtschaftsplan seien alle vorgesehenen Einnahmen und Ausgaben genau aufgelistet. Jürgen Sprickerhof kenne diesen Plan nicht nur, er habe selbst die Hand dafür gehoben, so der Kurdirektor.
Im Ausschuss wurde weniger über Jürgen Sprickerhofs Anliegen an sich diskutiert als vielmehr darüber, an welcher Stelle er es angebracht hat. Unter anderem Uta Meiners (FDP) war der Meinung, dass der Finanzausschuss die falsche Adresse sei, sich zunächst der Aufsichtsrat der Kurgesellschaft mit dem Thema beschäftigen müsse. Das soll nach einem Antrag, den Dr. Hans Hortig (Unabhängige) stellte, nun auch geschehen. Danach wäre dann erneut die Politik an der Reihe.
Die Änderung des Pachtvertrags, die der Finanzausschuss abgesegnet hat, soll die TSB entlasten. Sie wird künftig weniger Pacht an die BKT zahlen müssen. Das führt dazu, dass der Wirtschaftsplan 2018 für beide Gesellschaften ein leichtes Plus ausweist. Die Änderung gilt rückwirkend auch für 2017. Das hat zur Folge, dass das Defizit, das die TSB im vergangenen Jahr erwirtschaftet hat, weniger hoch ausfällt. Laut Robert Kowitz war das Minus den hohen Pachten geschuldet, die die TSB an die BKT zahlen musste. Mit der Änderung werde die Pachthöhe nun wieder auf ein früheres Niveau reduziert.
