BUTJADINGEN - Organspenden sind ein schwieriges und emotionales Thema. In der Regel haben sie mit dem Tod zu tun. Dennoch hatte der Landfrauenverein Butjadingen zu einem Vortrag über Organspende eingeladen. Es sei eine sehr wichtige Angelegenheit, der sich jeder widmen solle, sagte die Landfrauenvorsitzende Anke Plümer zu Beginn der Versammlung.
Vom Alter unabhängig
Dennoch hatten nur verhältnismäßig wenige Landfrauen den Weg in den „Butjadinger Hof“ gefunden. Als Referenten hatten die Landfrauen Dr. Christian Prause von der Deutschen Stiftung Organspende eingeladen.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Organe nur von jungen Menschen gespendet werden können, betonte er, dass eine Organspende altersunabhängig sei. Benötigen Säuglinge beispielsweise ein neues Herz, muss es auch von einem gleichgroßen Spender kommen. „Sonst passt das nicht“, betonte Christian Prause.
Zahl reicht nicht aus
Ohnehin reiche die Zahl der gespendeten Organe bei weitem nicht aus, führte der Referent weiter aus. Auf der Warteliste in Deutschland stünden 12 000 Patienten, die dringend auf ein neues Organ warten würden. So benötigen beispielsweise 8000 Kranke eine neue Niere. Im Jahr würden aber nur 3000 Nieren transplantiert, weil nicht mehr Menschen zu einer Organentnahme nach dem Tod bereit seien. Die Statistiken würden eines deutlich zeigen, erläuterte Christian Prause: „Es ist deutlich wahrscheinlicher, von einer Organspende zu profitieren, als selber ein Organ zu spenden.“
Über 40 Tabletten
Neben Herz und Niere können auch die Lunge, die Bauchspeicheldrüse, die Leber und mittlerweile auch der Dünndarm transplantiert werden. In seinem Vortrag ging Christian Prause auch auf die Erkrankungen ein, die eine Transplantation notwendig machen. So gebe es Erkrankungen, die den Menschen während des Lebens treffen oder die er vererbt bekommen hat. Zudem kann durch Umwelteinwirkungen wie Gifte eine Organtransplantation notwendig werden.
Doch mit einem neuen Organ sind die Probleme noch nicht ausgeräumt für den Empfänger. So müssten die Patienten nach der Operation zunächst über 40 Tabletten einnehmen, um die Abstoßungsreaktion des körpereigenen Immunsystems zu unterdrücken.
Meilenstein der Medizin
Bei seinem Vortrag ging Christian Prause auch auf die Geschichte der Organverpflanzung ein. So gab es bereits im Jahr 303 vor Christus erste Experimente mit der Transplantation eines Beins, dem so genannten „Beinwunder“ von Cosmas und Damian. 1955 wurde die erste Niere verpflanzt und 1967 gelang es Christian Barnard, ein Herz zu transplantieren – ein Meilenstein der Medizin.
