Rethorn - Sonntag, 10.20 Uhr: „Schon 250 Grad!“, rufen Jonas und Thilo, beide sechs Jahre alt, als sie neugierig in den Ofen des alten Backhauses in Rethorn gucken. „Geht es endlich los?“, wollen die Jungen wissen. „An so einem Tag ist Hektik das falsche Rezept“, weiß Jörn Thielhelm, Vorsitzender des Ortsvereins Rethorn. Das ist nicht einfach, denn vor dem Pavillon am Backhaus hat sich eine lange Menschenschlange gebildet.
Gut zehn Minuten später geht es los. Der Steinofen, den Klaus Schütte vom Ortsverein morgens ab 4 Uhr angeheizt hat, wird „befüllt“. Bäckermeister Peter Finke und Peter Lauprecht schieben das erste Blech Butterkuchen hinein. Gut eine Minute später kommt es mit gebräunter Kruste und appetitlich duftend zurück auf den Tisch. Lauprecht schneidet die Kanten ab und bringt das Blech nach draußen. Der Verkauf beginnt. Finke füllt derweil den Ofen mit Stuten und Graubroten nach.
150 Brote – Stuten und Bergsteiger – und 30 Bleche Butterkuchen hat der 51-jährige Fachmann abends zuvor in der Bäckerei Meyer-Mönchhof vorbereitet. Der Absatz an diesem Sonntag ist kein Problem: Der Backtag hat zahlreiche Besucher aus Rethorn und umzu gelockt; die Schlange reißt bis Mittag nicht ab. Wenn am Nachmittag die Temperatur sinkt, ist der Tag noch nicht zu Ende. „Vielleicht nutzen wir die Glut, um Bratwürste zu grillen“, spekuliert Thielhelm. Jonas und Thilo wundern sich derweil, dass Lauprecht die Kante entfernt: „Die schmeckt doch am besten“, meinen sie.
