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Küstentee Brüder als kulinarische Botschafter

Thomas Joerdens

Buxtehude - Auf schlichten weißen Dosen steht in schwarz, rot oder braun „kreisch“, „ruhepol“, „flooow“. Während die einen im Kleingedruckten nach Auflösungen suchen, läuft Kennern, Fans und Liebhabern bereits das Wasser im Mund zusammen. Die versponnenen Bezeichnungen sind die Namen von Teesorten, mit denen die Firma Küstentee seit 2016 den deutschen Teemarkt erobert. Dass der Plan auf einem guten Weg ist, zeigt die rasante Entwicklung der jungen Manufaktur, die von den Brüdern Kevin und Janek Köpcke gegründet wurde.

Labor im Kühlhaus

Das Kühlhaus auf dem elterlichen Grundstück in Jork im Alten Land, das Opa Köpcke, ein ehemaliger Obstbauer, für seine Äpfel genutzt hatte, war der erste Küstentee-Sitz. Auf 100 Quadratmetern hatten sich der 26-jährige Kevin und der zwei Jahre jüngere Janek Köpcke ein Tee-Labor mit Produktionsraum eingerichtet. Dort dachten sie sich im Sommer 2016 in einer Art Kreativitätsrausch über 400 Teesorten aus, von denen es 25 ins Sortiment schafften.

Aktuell bieten die Brüder 35 Sorten an. Ihre Idee: Sie mischen grüne, schwarze, weiße Tees beziehungsweise Rooibos-Tee ausschließlich mit naturbelassenen Kräutern, Früchten, Gewürzen. Künstliche Zusatzstoffe, Aromen oder Zucker sind bei Küstentee tabu. Stattdessen sind alle Rohstoffe und Zutaten biozertifiziert, die sie aus allen Teilen der Welt beziehen.

„Die Menschen sollen Tee wertschätzen und nicht nur welchen trinken, wenn sie krank sind. Tee ist vielseitig, gesund und vor allem superlecker“, meint Kevin Köpcke. Janek ergänzt: „Wir haben Tees für sämtliche Lebenslagen.“

Manche Namen deuten an, wofür sich welche Sorte eignet. So ist die erste Küstentee-Kreation „küstenfit“ mit Lemongras, Ingwer, Matcha, Mate und acht weiteren Zutaten wegen seiner angenehm anregenden und lang anhaltenden Wirkung ideal für Sportler. Die fruchtige Earl-Grey-Mischung „nachteule“ hilft beim Durchmachen. Wohingegen die Rooibos-Vanille-Sorte „ruhepol“ den Teetrinker runterkommen lässt. Bei den Tee-Brüdern sind momentan die anregenden Grüntees „durchatmen“ und „hallowach“ beliebt, von denen sie sich täglich zwei, drei Liter zubereiten.


Die abwechslungsreiche Geschmackspalette sowie das nachhaltige Bio-Konzept kommen sowohl bei den Kunden des Online-Shops als auch beim Handel an. Seit Anfang Juni gehören die Köpckes mit der Sorte „sorgenfrei“ (Weißer Aprikose-Mango-Tee) zu den „Kulinarischen Botschaftern“ Niedersachsens. Ministerpräsident Stephan Weil prämierte landestypische Delikatessen und Spezialitäten. Sie überzeugten die Jury mit ihrer „wirklich meisterhaften und kreativen Herstellung“.

Den Durchbruch schafften die Brüder ein Jahr nach der Gründung. Seit Herbst 2017 ordern Rewe-Filialen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie in Bremen und Hamburg Küstentee. Im Jahr darauf kamen die Supermarkt-Ketten Famila, Real und Edeka dazu. Letztere vertreibt Küstentee bundesweit in rund 350 Geschäften.

Ein großer Erfolg, der die Geschwister bestätigt und sie weiterdenken lässt, wie sie ihre Tees noch besser anbieten können. „Anfang vergangenen Jahres gab’s bei uns einen Relaunch“, sagt Kevin Köpcke, der in der Firma unter anderem für Vertrieb und Marketing zuständig ist. Die Sorten bekamen fantasievolle Namen, und aus braunen Teetüten wurden weiße Blechdosen sowie gleichfarbige Nachfüllbeutel. Überdies können Kunden das halbe Dutzend Bestseller mittlerweile auch in Pyramidenbeuteln kaufen.

Mit steigender Nachfrage wächst naturgemäß die Produktion. Diese übertraf die kühnsten Erwartungen der Manager. In der Anfangszeit verließen die Tee-Fabrik monatlich circa 100 Kilo. Zurzeit liegt die Menge bei viereinhalb bis fünf Tonnen. Gerechnet hatten die Brüder mit ungefähr der Hälfte.

Die Köpckes benötigten also dringend neue Räume und wurden im nahen Buxtehude im Gewerbegebiet fündig. Seit Herbst 2018 duftet es im ersten Stock eines hellen Zweckbaus unweit der Bundesstraße 73 nach Tee. 1500 Quadratmeter hat Küstentee angemietet für Produktion, Marketing, Vertrieb, Lager und die Entwicklung weiterer Sorten. Neue Abfüllmaschinen sind bestellt, und das Personal haben die Chefs aufgestockt von zwei auf 13.

Viele Ideen und Pläne

Auch wenn die Küstentee-Geschichte klingt wie ein Selbstläufer, folgte die Gründung keinem Masterplan. Die Firma entstand eher zufällig. Vor vier Jahren lernte Janek Köpcke in einem Hamburger Teekontor Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach wollte er Betriebswirtschaft studieren. Für seinen älteren Bruder, gelernter Kfz-Mechatroniker, Maschinenbaustudent und ambitionierter Rennbootfahrer, mixte Janek für die Wettkämpfe ein natürliches Sportgetränk auf Teebasis. Nach geschätzten 40 Versuchen schmeckte Kevin der Drink endlich und gab ihm die nötige Energie. Der Jorker, der 2015 auch Deutscher Meister wurde, teilte den Sport-Tee mit seinen Konkurrenten. Alle waren begeistert. „Warum machen wir uns damit nicht selbstständig?“ Kevin hatte die Idee zuerst, musste Janek aber nicht lange überreden. Die beiden hätten schon immer vieles zusammen gemacht. Sie verstünden sich blind, ergänzten sich prima und motivierten sich gegenseitig, sagen sie.

So stürzten sich Kevin und Janek Köpcke ins Küstentee-Abenteuer und entwickeln ihr Unternehmer an sechs Tagen in der Woche, jeweils von sieben bis 19 Uhr. „Wir haben jeden Tag neuen Bock“, kommt es wie aus einem Mund. Dies spürt man, wenn das ehrgeizige Brüderpaar von Ideen, Plänen, Visionen erzählt. In den vergangenen Monaten haben die beiden an drei fruchtigen Eisteesorten getüftelt, mit denen sie Anfang Juli an den Start gehen wollen. „Das ist unser schwierigstes Produkt, weil es mit kaltem Wasser zubereitet wird.“

Probleme interpretieren die Köpckes grundsätzlich als Aufgaben, die es zu lösen gilt. Die anderen Tees entstehen inzwischen deutlich schneller. Für das jüngste Produkt „flooow“ mit Chilli-Schoko-Flavour benötigten die Teeprofis etwa eine Woche, bis die Geschmacksrichtung, die Zutaten und deren Verhältnis feststanden. Kurzfristig wollen die Unternehmer Küstentee auch in Frankreich, in den Niederlanden und in Großbritannien etablieren. Und in fünf, sechs Jahren soll es über den großen Teich gehen in die USA.

Spätestens dann müssen sich die Teemänner vermutlich erneut nach größeren Räumen für ihre Firma umschauen.

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