Charlottesville - Die US-Neonazi-Webseite „The Daily Stormer“ ist nach Bemühungen der Internetkonzerne Google und GoDaddy, die Seite zu verbannen, nur noch sporadisch aufrufbar. Die Unternehmen hatten am Montag und Sonntagabend angekündigt, die Seite müsse ihren Domainnamen beziehungsweise ihren Anbieter wechseln. Anlass für die Anweisung war ein höhnischer Artikel, in dem das Todesopfer eines mutmaßlichen Hassverbrechens in der US-Kleinstadt Charlottesville verspottet wurde. Der Schritt erfolgte inmitten mehrerer Reaktionen aus der US-Wirtschaftswelt auf die eskalierte Gewalt bei den Protesten von Ultrarechten.

Google und GoDaddy erklärten jeweils, der „Daily Stormer“ habe gegen ihre Geschäftsbedingungen verstoßen. Google gab an, die Internetseite zu blockieren und aus dem Register zu nehmen. Der auf die Registrierung von Domains spezialisierte Konzern GoDaddy teilte in einer Stellungnahme mit, dass der jüngste Artikel auf der Internetseite zusätzlich für Gewalt sorgen könne - und dies sei nicht mit den Richtlinien des Unternehmens zu vereinbaren.

Der Artikel auf der Neonazi-Seite hatte das Erscheinungsbild der 32-jährigen Frau verhöhnt, die am Samstag beim Angriff eines Autofahrers getötet worden war. Sie wurde in dem Text verspottet, weil sie keine Kinder hatte - zudem wurde erklärt, sie habe sich nicht schnell genug bewegt, um dem Auto auszuweichen.

Zusammen mit anderen Gegendemonstranten hatte die Frau gegen den Aufmarsch von Ultrarechten in der Stadt Charlottesville protestiert. Die Polizei hält den 20-jährigen Fahrer seither unter anderem wegen des Verdachts des Totschlags und des Hassverbrechens fest.

In der US-Wirtschaftswelt regte sich angesichts der Vorkommnisse vom Wochenende Kritik gegen US-Präsident Donald Trump. Von Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft war bereits beklagt worden, dass Trump sich nach Charlottesville erst spät gegen Rechtsextremisten ausgesprochen hatte. Nun verließen mindestens zwei Businessgrößen als direkte Konsequenz von Trumps anfänglich vager Reaktion Beratergremien für den Präsidenten.


Der Geschäftsführer von Intel, einem US-Speicherchip-Hersteller für Computer, zog sich aus einem Firmen-Rat zurück, in dem es um Produktion und Herstellung geht. Grund sei „der schwere Schaden, den unser gespaltenes politisches Klima bei wichtigen Themen verursacht“. Brian Krzanich schrieb, während er politische Anführer aufgefordert habe, Vertreter einer weißen Vorherrschaft zu verurteilen, seien viele in Washington eher damit beschäftigt, jeden anzugreifen, der nicht mit ihnen einverstanden sei.

Zuvor hatte der Geschäftsführer des US-Pharmakonzerns Merck, Kenneth Frazier, gesagt, Anführer in den Vereinigten Staaten müssten „unsere fundamentalen Werte ehren, indem sie Ausdrücke von Hass, Fanatismus und der Vorherrschaft einer Gruppe klar ablehnen“. Trump attackierte ihn daraufhin auf Twitter: Jetzt habe Frazier mehr Zeit, die überteuerten Medikamentenpreise zu senken, schrieb der Präsident.

Auch der Geschäftsführer des Sportartikelherstellers Under Armour, Kevin Plank, hatte mitgeteilt, von seinem Posten in einem Rat der US-Regierung zurückzutreten. Plank nannte die Vorfälle in Charlottesville zwar nicht namentlich, ebenso wenig ging er auf Trump persönlich ein. Dennoch erklärte er, sein Unternehmen wolle sich auf den Sport konzentrieren und für Einheit, Vielfalt und Inklusion in den USA werben.