CHATTANOOGA - Der mächtige Tennessee River windet sich gemächlich durch das beschauliche Chattanooga. Gazi Yildirim genießt die Aussicht vom Balkon des Hunter Museums. Der Unternehmer aus Hannover, der zur Delegation von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) gehört, würde aber am liebsten Freudensprünge machen. Yildirim betreibt unter anderem Waschanlagen für Materialkisten. Genau das, was man im neuen VW-Werk im Süden des US-Bundesstaates Tennessee noch braucht. Der Kontakt ist erfolgreich. In sechs Wochen will Yildirim wieder nach Chattanooga reisen, um sein Projekt der Werksführung zu präsentieren. Bode nickt zufrieden, als er von dem sich anbahnenden Geschäft hört. Solle noch einer sagen, Delegationsreisen würden sich nicht lohnen.

Auch andere Teilnehmer wollen mit VW ins Geschäft kommen. Ein IT-Unternehmen aus Gifhorn bietet schon seit Jahren Computerservice für den Autokonzern. VW ist in Chattanooga nicht alles, aber an dem Wolfsburger Unternehmen kommt kaum jemand vorbei. VW baut in Chattanooga den neuen Passat und hat massiv zum Job-Wunder in der früher eher unterentwickelten Region beigetragen. Kürzlich wurde sogar eine Städtepartnerschaft besiegelt. Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) pflanzte eine Eiche mitten in der Provinzstadt im hügeligen Tennessee.

„Die Beziehungen zu Niedersachsen sind sehr stark und wichtig“, sagt der Wirtschaftsminister von Tennessee, William F. Haggerty, bei einem Empfang für die Delegation. Sehr viele Amerikaner seien in der Region bei deutschen Firmen beschäftigt. Bode macht Haggerty bei einem Vier-Augen-Gespräch das duale Ausbildungssystem in Deutschland schmackhaft. Das habe die Amerikaner „sehr interessiert“, meint der FDP-Politiker hinterher.

„Es ist wunderbar, dass Niedersachsen hier so aktiv ist“, schwärmte der deutsche Generalkonsul in Atlanta, Lutz Görgens. Das Land könne da mit Bayern und Baden-Württemberg konkurrieren.

Doch es geht auch andersherum. Eine große US-Firma aus Chattanooga, unter anderem spezialisiert auf Straßenbau, hat sich in Hameln angesiedelt. Im Frühjahr 2012 soll die Filiale in Niedersachsen eröffnet werden. Viel weiter südlich, in New Orleans im Bundesstaat Louisiana, besucht die Delegation die Firma BBC Chartering, Tochter der ostfriesischen Reederei Briese in Leer. Es geht vor allem um den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. BBC und Jade-Port-Betreiber Eurogate werben gegenseitig für künftige Geschäfte.