Oldenburg/Berlin - Auch im Bereich der Geldanlagen ist für viele der Aspekt der Nachhaltigkeit immer wichtiger. Sie wollen „grüne Fonds“ – doch woran können Anlegerinnen und Anleger nachhaltige Geldanlagen erkennen? Wir haben mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Geld-Ratgebers Finanztip, gesprochen.
Woran sind grüne Fonds zu erkennen?
„Eigentlich können Sie sie daran erkennen, dass sie weniger Schaden in der Umwelt anrichten, besser mit Mitarbeitern und der Community umgehen und weniger korrupt sind“, sagt Tenhagen. Ein Stichwort, um grüne Fonds zu erkennen, sei beispielsweise „Environment Social Governance“, oft ESG abgekürzt. In unserer Recherche fielen auch oft Stichwörter wie „Clean Energy“ oder „Low Carbon“.
Welche Probleme gibt es bei der Definition?
„Anleger kommen sehr schnell zu dem Knackpunkt bei der Frage, was wirklich nachhaltig ist“, beschreibt ‚Tenhagen das Dilemma. Er nennt Beispiele, bei denen Anleger in eine Zwickmühle geraten könnten: „Ein Öko-Winzer, der wirklich nachhaltig ist. Einige wollen aber nicht in Alkohol investieren. Oder die Hotelkette Hilton, die die ökologischste Hotelkette ist, aber auch Casinos, also Glücksspiel betreibt.“ Der Begriff „nachhaltig“ ist nicht geschützt und wird mitunter unterschiedlich definiert. Anleger, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, sollten also im Vorfeld ihre Nachhaltigkeitskriterien festlegen und dann schauen, ob diese mit den Unternehmen im Fonds übereinstimmen.
Welche Schwierigkeiten gibt es generell bei Öko-Fonds
Tenhagen weist darauf hin, dass die Auswahl der Unternehmen ständig aktuell gehalten werden muss, um zu schauen, ob die Unternehmen die definierten Nachhaltigkeitskriterien noch erfüllen. Aus diesem Grund seien die Kosten oftmals auch höher, da sie aktiver gemanaged werden müssen. Tenhagen betont, dass diese höheren Kosten jedoch aufgrund des höheren Aufwands auch gerechtfertigt sind – er nennt diese Fonds „dunkelgrüne Fonds“. Weitere Schwierigkeit solcher Fonds ist, dass sie oftmals nicht so viele Unternehmen enthalten, wie vergleichbare „normale“ Fonds. Das Risiko des Anlegers ist also auf weniger Unternehmen verteilt.
Gibt es eine nachhaltige Alternative?
Ja. Tenhagen spricht von „hellgrünen Fonds“. Gemeint sind bestimmte Versionen von Indexfonds, beispielsweise ETFs auf den Weltindex MSCI World, die nicht alle Aktien dieses Indizes enthalten. „Der MSCI World hat 1600 Titel, die nachhaltige Variante 400 bis 500. Bei der nachhaltigen Version ist zum Beispiel Apple nicht dabei, weil für die Handys im Bergbau seltene Erden auf nicht nachhaltige Weise abgebaut werden. Amazon ist nicht mit drin, weil sie nicht gut mit den Gewerkschaften umgehen. Und Meta/Facebook ist aufgrund von Datenschutzfragen nicht dabei“, erklärt Tenhagen. Vorteil dieser Fonds ist, dass die Gebühren niedriger sind, da sie sich am Index orientieren.
Ist das nicht Greenwashing?
„Wenn die Menschen verstanden haben, dass diese Art von nachhaltigen Fonds eben nicht die ultimativ saubere Geldanlage sind, sondern der Versuch, sauberer und vertretbarer für die Umwelt zu sein, dann nicht“, sagt Tenhagen. Seiner Meinung nach sind „hellgrüne Fonds“ für Anleger, die sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigen, aber dennoch nachhaltig investieren wollen, die erste Wahl.
Ist die Rendite bei grünen Fonds höher, geringer oder gleich?
Hier muss zwischen den dunkelgrünen und den hellgrünen Fonds unterschieden werden: „Die Schwankungen bei den dunkelgrünen Fonds sind höher, da sie nicht so breit gestreut sind“, erklärt Tenhagen. Vor der Finanzkrise, bis 2007, sei die Rendite sehr gut gewesen. Während und nach der Finanzkrise seien sie sehr bescheiden gelaufen, seit 2016 sei es wieder besser.
Bei den hellgrünen Fonds hingegen bestehe kaum ein Unterschied im Vergleich zu einem normalen Indexfonds, beispielsweise zwischen dem MSCI World und dessen grüner Version. „Viele Betriebswirte sagen, dass die hellgrünen Fonds auf lange Sicht sogar besser laufen müssten, weil Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, zukunftsorientiert sind und eher darauf achten, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen“, sagt Tenhagen. Dafür spricht auch, dass nicht-nachhaltige Unternehmen in diesen Indizes immer weniger Anteile haben. Vor zehn Jahren beispielsweise seien Ölkonzerne noch sehr prominent im MSCI World vertreten gewesen, heute spielen sie nicht mehr so eine große Rolle.
Steigt die Nachfrage nach grünen Fonds?
Dies kann Tenhagen eindeutig mit Ja beantworten und auch mit Zahlen belegen: „Vor fünf Jahren haben 10 Prozent der Anleger nach grünen Fonds gefragt, heute sind es 25 und die Tendenz geht Richtung 30 Prozent.“ Auch der Finanztip-Ratgeber zu nachhaltigen ETFs sei innerhalb von vier Jahren bereits 1,1 Millionen mal abgerufen worden. Zum Vergleich: Der Ratgeber zu klassischen Fonds, den es jedoch schon seit 2014 gibt, hat 4,8 Millionen Aufrufe.
