Oldenburg - Shanghai, Brisbane, Buenos Aires – das klingt nach Stationen einer Weltreise. Für Dr. Christian Nocke, Akustiker aus Oldenburg, sind es Arbeitsorte. Zwar exotisch und speziell, aber immer mit seiner Profession verknüpft: Die Akustik von Räumen zu verbessern. Diesem Ziel widmet sich Nocke seit Jahren. Und da er sich als Fachbuchautor und Leiter des DIN-Ausschusses für Raumakustik und Hörsamkeit inzwischen auch international einen Namen gemacht hat, hört man ihm auch auf internationaler Ebene zu.
Massive Probleme
Wie jetzt in China. „Das Land hat in seinen Millionenstädten massive Lärmprobleme“, sagt Nocke. In Shanghai hat er seine Überlegungen dazu vorgestellt. „Die Chinesen hören sich sehr genau an, was in anderen Ländern zu diesen Problemen geforscht und entwickelt wird“, berichtet er. So spielten auf dem internationalen Kongress in Shanghai auch die tieffrequenten Töne aus dem U-Bahn-Netz eine Rolle – und wie man ihrer Verbreitung begegnet. Doch die Chinesen nehmen nicht nur auf, sie begegnen dem Problem ganz pragmatisch: „In der Innenstadt gibt es unendlich viele Elektro-Roller und Landestationen.“ Das sorge, so Nocke, nicht nur für weniger Abgase, sondern reduziere auch den Verkehrslärm.
In seiner Arbeit in Deutschland konzentriert sich Nocke immer stärker auf die Frage, wie sich die Akustik in Räumen verbessern lässt. Damit Architekten diesen Ansatz fachkundig verfolgen können, hat Nocke – neben seiner auch internationalen Tätigkeit als Gutachter, Vortragender und Planer – ein Buch geschrieben. „Raumakustik im Alltag – Hören, Planen, Verstehen“ heißt es und ist im Fraunhofer Verlag erschienen – und die erste Auflage ist inzwischen ausverkauft, gegenwärtig arbeitet Nocke an der zweiten. Die Nachfrage ist also da: „Es handelt sich um eine Handreichung für Architekten“, sagt Nocke. Mit Schulbildern, Beispielen und theoretischen Grundlagen erklärt er, wie sich Raumakustik gestalten lässt.
Was in vielen Fällen eben nicht geschieht. „Wohl jeder kennt Restaurants, in denen die Akustik so schlecht ist, dass man sich kaum verständigen kann“, sagt Nocke. Denn eine gute Raumakustik ist nicht verpflichtend. Dabei gibt es eine DIN-Norm (DIN- Deutsches Institut für Normung) für Raumakustik, die den schönen Titel „Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen“ trägt – und der Obmann des für die aktuelle Überarbeitung zuständigen Unterausschusses im DIN ist Christian Nocke.
Grund der Überarbeitung ist ein Ziel, das mit der Inklusion zusammenhängt: barrierefreies Bauen. Das soll auch Menschen mit Hörbeeinträchtigungen die Teilhabe an Gesprächen und Veranstaltungen ermöglichen. Ganz abgesehen davon, dass eine bessere Raumakustik das Lernen in Schulräumen erwiesenermaßen einfacher macht – ebenso wie das Arbeiten in Großraumbüros.
Neue Firma gegründet
Doch nicht immer wird das berücksichtigt, denn die DIN 18041 ist zwar als „Stand der Technik“ für Planer eigentlich verbindlich, doch sie ist nicht in der Landesbauordnung verankert, was sie verpflichtend machen würde, wie Nocke erläutert. Auf der anderen Seite würden verstärkt Anfragen aus europäischen Ländern nach genau dieser Norm kommen, berichtet Nocke. Der Antrag, die DIN über das ISO-Verfahren auch international zu verankern, laufe.
Und auch das Interesse von Bauteil-, Teppichböden-, Wandelementen- und Möbelherstellern wachse. In Buenos Aires etwa wird Nocke im September Fabrikanten darüber informieren (und auch schulen), wie Möbel, Wände und Decken gestaltet werden können, um die Raumakustik zu verbessern – eine Tätigkeit, die Nocke in Deutschland seit Jahren verfolgt.
Doch das schafft auch Raum für Neues: Nocke wird neben dem „Akustikbüro Oldenburg“ in Kürze mit einem Partner die „Schall und Räume GmbH“ gründen, die sich in Sachen softwaregestützter Büroakustik-Planung engagieren wird. Mit einer neuen Software, die die akustischen Bedingungen anhand der verwendeten Möbel und Materialien und einer entsprechenden Datenbank berechnet, soll das gelingen. „Damit“, so Nocke, „holen wir die Architekten ins Boot.“
