Davos - Mit einem flammenden Plädoyer hat der chinesische Staats- und Regierungschef Xi Jinping für weltweiten Freihandel geworben. „Wir müssen Nein sagen zum Protektionismus“, sagte er am Dienstag zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Wenige Tage vor der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump warnte Xi indirekt vor neuen Konflikten. „Niemand kann als Gewinner aus einem Handelskrieg herausgehen“, meinte er, ohne Trump beim Namen zu nennen.

Ein Berater Trumps betonte indes, China müsse auf die USA zugehen. Die bisherigen Handelsabkommen seien unfair und zum Nachteil der USA, sagte Anthony Scaramucci. Zugleich betonte der frühere Hedgefonds-Manager, auch die USA wollten keinen Handelskrieg.

„Protektionismus heißt, sich abzuschließen wie in einer Dunkelkammer, wo es möglicherweise weder Wind noch Regen gibt, aber eben auch weder Luft noch Licht“, sagte Xi. „Die dringendste Aufgabe ist es, die Weltwirtschaft aus schwierigem Fahrwasser herauszuführen.“ Es gebe große Probleme wie die Flüchtlingskrise oder die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Dafür sei aber nicht die Globalisierung verantwortlich. Es war der erste Besuch eines chinesischen Staatschefs beim WEF.

Trump hatte angekündigt, globale Handelsabkommen aufzukündigen und die US-Wirtschaft auch mithilfe hoher Schutzzölle abzuschotten und somit zahlreiche inländische Jobs zu schaffen.


Lob bekam Xi vom scheidenden US-Außenminister John Kerry. „Wenn Sie mir nur die Worte vorgelesen hätten, hätte ich gedacht, dass Präsident (Barack) Obama hier ist“, sagte Kerry. Er warnte die künftige US-Regierung vor vereinfachten Schuldzuweisungen: „Der Handel ist nicht der Schuldige für Arbeitsplatzverluste.“

Nach Drohungen Trumps mit hohen Zöllen für die deutsche Autoindustrie warnte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU): „Abschotten bedeutet auf jeden Fall, dass die Produkte in Amerika teurer werden.“ Über die Pläne Trumps „werden wir sicher mit der amerikanischen Administration noch einmal reden müssen“, sagte Kauder vor einer Sitzung der Unionsfraktion in Berlin. Zugleich kündigte er für den Fall, dass Trump seine Ankündigungen umsetzt, Verhandlungen an.

Am WEF nehmen in diesem Jahr unter dem Motto „Responsive and Responsible Leadership“ (Anpassungsfähige und verantwortungsvolle Führung) etwa 3000 Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler teil – so viele wie nie zuvor. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt jedoch wie im Vorjahr fern.