Berlin - Der Handelsstreit zwischen China und der Europäischen Union eskaliert. Nachdem die EU Strafzölle auf chinesische Solarmodule angekündigt hatte, gab Peking am Mittwoch Dumping-Ermittlungen gegen europäische Weine bekannt. Das chinesische Handelsministerium verurteilte zugleich die Strafmaßnahmen der EU.
Die Bundesregierung sucht weiter nach einem Ausgleich mit China. Brüssel wehrte sich gegen die Vorwürfe aus Peking. „Wir glauben, dass es kein Dumping bei europäischen Weinen auf dem chinesischen Markt gibt“, sagte der Sprecher von EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos am Mittwoch in Brüssel. Auf die Frage, ob Pekings Ankündigungen als Vergeltungsmaßnahme zu verstehen seien, sagte der Sprecher: „Das ist eine Frage, die Sie den Chinesen stellen müssten.“
EU-Staaten exportierten laut Kommission 2012 Wein im Wert von 763 Millionen Euro nach China. Der Großteil davon kam aus Frankreich. Nach Zahlen von Chinas Zollverwaltung importierte China im vergangenen Jahr 290 Millionen Liter Wein aus der EU. Die Einfuhren aus der EU machen demnach etwa zwei Drittel der gesamten Importe von Wein nach China aus.
Peter Winter, Präsident des Verbands Deutscher Weinexporteure, sagte zur chinesischen Ankündigung: „Ich würde es im Moment noch als Säbelrasseln bezeichnen, aber das wäre auf jeden Fall ein enormer Nachteil für die gesamte europäische Weinwirtschaft.“ Chilenen und Australier stünden schon in den Startlöchern.
Die EU-Kommission hatte am Dienstag beschlossen, dass in den nächsten zwei Monaten vorläufige Strafzölle auf Einfuhren von chinesischen Billig-Solarmodulen und deren Komponenten von durchschnittlich 11,8 Prozent fällig werden. Am 6. August werde der Extrazoll dann auf die vollen 47,6 Prozent steigen.
Wegen des hohen Marktwerts der Einfuhren von geschätzt 21 Milliarden Euro pro Jahr ist der Streitfall beispiellos.
