Oldenburg - Erst vor wenigen Tagen hatte Einzelhandelspräsident Josef Sanktjohanser vor einer (weiteren) Verödung der deutschen Innenstädte gewarnt – auch im Blick auf verändertes Kaufverhalten. Passend dazu hat die „Allianz für Innenstädte“ jetzt in Oldenburg im Bauamt getagt, organisiert vom Deutschen Städte- und Gemeindebund und dem Handelsverband Deutschland. Die Fragen: Welche Auswirkungen hat der Online-Handel auf die Innenstädte – und was können Handel und Kommunen zur Stärkung der Innenstädte tun?

Für Monika Dürrer, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen, standen und stehen funktionierende Städte und der dort stattfindende Handel schon immer in engstem Zusammenhang. Das gelte auch für Oldenburg – von der Gründung an bis heute. Alle anderen Bereiche in einer Innenstadt profitierten von dieser starken Verbindung. Wo diese Verbindung unter Druck gerate, litten die Innenstädte: Dürrer: „Und der Online-Handel scheint hier an vielen Stellen eine Art Brandbeschleuniger zu sein.“ Der einzige Weg sei aber, das als Herausforderung und Chance zu begreifen. Die Furcht vor städtischen Wüsten, in denen nur noch Lieferdrohnen unterwegs seien, versuche der Handel bereits jetzt mit zahlreichen Initiativen, der Stärkung des Einkaufserlebnisses und der Verbindung mit lokalen Online-Zusammenschlüssen zu begegnen. In Oldenburg arbeiten Händler mit Plattformen wie Locafox zusammen, um Internetkunden trotzdem den Einkauf im örtlichen Handel zu ermöglichen.

Die Hauptgeschäftsführerin wies im Blick auf die drohende Verödung der Innenstädte auf das Ergebnis der jüngsten Studie des Instituts für Handelsforschung Köln zu „vitalen Innenstädten“ hin. Das Ergebnis der Studie relativiert die Hoffnung auf das Lastenfahrrad als tragfähige Lösung, wie sie von Stadtbaurätin Gabriele Nießen für das Oberzentrum Oldenburg auf der Allianz-Tagung propagiert wurde. Dürrer: „An vorderster Stelle steht die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto, dicht gefolgt vom Thema Parken, das muss in unmittelbarer Nähe des Stadtkerns möglich sein.“ Was die Städte „nicht brauchen können, sind City-Mauts und Fahrverbote“. Hinzu käme die Bedeutung des Gefühls, sich in der Stadt sicher zu fühlen, und ein guter ÖPNV. Als eines der wichtigsten Dienstleistungsangebote in den Innenstädten zähle das kostenfreie WLAN.

Dass gerade kleinere Geschäfte die Möglichkeiten, die der Online-Handel auch für sie selbst bietet, oft noch nicht ausreichend nutzten, gehöre auch zur Wahrheit dazu, so Bernd Düstersiek vom Städte- und Gemeindebund: „40 Prozent der Einzelhandels-Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern sind im Netz nicht auffindbar.“ Hier könne mehr als bisher mit den lokalen Online-Plattformen zusammengearbeitet werden.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg