Cloppenburg - Hier konnten auch die hilfsbereiten Cloppenburger nur mit den Achseln zucken: Caspar Bingemer aus der Gemeinde Oberndorf zwischen Cuxhaven und Stade wollte doch nur sein Auto aus der Werkstatt abholen – doch sollte sich dieses Vorhaben noch als wahre Odyssee entpuppen – dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei Dank.

Doch zunächst der Reihe nach: „Auf einer Reise nach Köln hatte ich eine Autopanne und musste den Wagen bei der Werkstatt Kläne in Drantum stehenlassen“, schildert Bingemer. Vergangenen Dienstag habe er sich mit Bus und Bahn auf den Weg gemacht, um sein Auto abzuholen. Den Reiseplan hatte er sich aus dem Internet ausgedruckt und bis zum Bahnhof Cloppenburg lief auch noch alles glatt, beschreibt der 69-Jährige den Beginn der Tour.

Am Bahnhof angekommen, wollte er mit der Buslinie 970 nach Drantum fahren – und genau hier lag das Problem. „Am Bahnhofsgebäude suchte ich vergeblich nach einem Hinweis auf die Buslinien“, erinnert sich Bingemer. Auch eine Frau im Infobüro der Bahn konnte ihm nicht weiterhelfen, zeigte ihm aber den Busplatz hinter dem Bahnhof und verwies auch auf den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in der Innenstadt. „In dichtem Schulkindergedränge erreichte ich den ZOB, fragte mehrere Kinder und Busfahrer, aber niemand konnte mir helfen“. In der Folge lief Bingemer immer wieder zwischen ZOB und Bahnhof hin und her, studierte die Fahrpläne, suchte nach Haltestellen, fragte Busfahrer und Passanten – als Antwort gab es nur Achselzucken.

Für die Beschilderung vor Ort und für fachkundiges Personal sei die Verkehrsgemeinschaft Cloppenburg (ein Konsortium von Busunternehmen, Anm. d. Red.) zuständig, teilt der Landkreis Cloppenburg auf Anfrage der NWZ mit. Vorsitzender der Verkehrsgemeinschaft, die aus sechs Gesellschaftern besteht, ist Leo Wilmering vom gleichnamigen Vechtaer Busunternehmen. „Jedes Unternehmen ist selbst dafür verantwortlich, dass seine Fahrpläne entsprechend aushängen und dass die Fahrer die Pläne kennen“, sagt Wilmering. Allerdings könne man nicht verlangen, dass die Fahrer einer Busfirma auch alle Fahrpläne der anderen Unternehmen der Verkehrsgemeinschaft kennten. Das sei auch der Grund, warum Bingemer von den Busfahrern keine Auskunft erhalten habe.

Der Oberndorfer versuchte sein Glück nun telefonisch bei der Busgesellschaft. „Der nette Herr dort wusste erstmal auch nicht Bescheid, um mir dann nach Rücksprache mit einem Kollegen zu versichern, dass da ein Bus fahren würde. Aber wo genau wusste er auch nicht“, schildert Bingemer. Erst ein weiteres Telefonat habe Aufschluss gegeben. „Der Herr hatte sich inzwischen schlau gemacht und teilte mir mit, dass der Bus erst am Bahnhof und fünf Minuten später an einer anderen Haltestelle abfahren würde.“ Wo genau die Haltestelle sein soll, wusste Bingemer aber noch immer nicht. „Vor dem Kiosk – im Übrigen könne ich ja auch sehen, wenn der Bus kommt, sagte mir der Mann am Telefon.“


Dass der 69-Jährige per Telefon Auskunft bekommen hat, bestätigt auch Wilmering. Der Disponent seines Betriebs, das für die Linie 970 verantwortlich sei, habe Bingemer mitgeteilt, wo und wann der Bus fährt. „Vielleicht konnte er die genaue Haltebucht nicht nennen, aber die Nummer steht ja auch gut leserlich auf dem Bus“, erklärt Wilmering auf Nachfrage. Zudem seien auch alle Haltestellen der Firma Wilmering ordnungsgemäß beschildert – lediglich der Fahrplan am ZOB habe unglücklicherweise gefehlt.

Ach ja, den Bus nach Drantum hat Bingemer übrigens doch noch bekommen – und sein Ziel mit mehreren Stunden Verspätung erreicht. Nach Cloppenburg will er aber so schnell nicht mehr reisen, sagt er. „Noch mal nach Cloppenburg? Nur unter Androhung von Folter und roher Gewalt.“

Gloria Balthazaar
Gloria Balthazaar Redaktion Wildeshausen