CLOPPENBURG - Leicht positive Signale für die Schweinemäster: Bis zum Wochenende wird eine Erholung des Schweinepreises auf 1,40 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht erwartet, sagte am Mittwoch Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf dem vierten Fachforum Schwein in der Münsterlandhalle in Cloppenburg. Damit die Schweinemäster allerdings kostendeckend arbeiten könnten, sei ein Erlös von 1,70 Euro pro Kilogramm notwendig, so Hortmann-Scholten weiter. Zudem seien Futtermittel im Preis seit Januar 2010 um 60 Prozent gestiegen.
Auf dem von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gemeinsam mit dem Deutschen Landwirtschaftsverlag veranstalteten Fachforum konnten sich die rund 1000 Schweinehalter aus ganz Nordwestdeutschland in der Münsterlandhalle vor allem über die Themen Vermarktung von Schlachtschweinen und Einsatz von Fremdarbeitskräften informieren.
Kammer-Vizepräsident Gerhard Schwetje begrüßte die rund 65 Aussteller, Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Beratung und kam kurz auf den Dioxinskandal zu sprechen, der zu einem Preisverfall für Mäster und Ferkelerzeuger geführt hatte. Das Thema Dioxin ist für uns durch, gab sich Dr. Ludwig Diekmann, Landwirtschaftskammer, zuversichtlich.
Einen breiten Raum nahm die anstehende Veränderung der Wertermittlung von Schlachtschweinen in Fachvorträgen und Diskussionen ein. Die Einteilung in Handelsklassen geschieht heute zunehmend mittels Ultraschallverfahren (Auto-FOM), mit dem der Muskelfleischanteil und die Teilstückgewichte von Schlachtkörpern gemessen werden. Behilflich sind dabei Schätzformeln, die 1997 und damit zu einer Zeit errechnet wurden, als dieses Verfahren noch unbekannt war. Deshalb komme es immer wieder zu Verzerrungen, zitierte Prof. Dr. Wolfgang Branscheid vom Max-Rubner-Institut, Kulmbach, eine Studie.
Aber auch mit den besseren Schätzformeln, die noch in diesem Jahr in Kraft treten, könne es zu Problemen bei der Klassifizierung des Schlachtschweins und damit der Bestimmung des Handelswertes kommen. Auch hier könnte es Ausreißer geben, so Branscheid. Diese könnten etwa auftreten, wenn Schweine geschlachtet und bewertet würden, die in ihrer Körperzusammensetzung extrem von den zugrunde gelegten Zuchtlinien abweichen etwa durch höheren Knochenanteil.
Auch deshalb sei die optimale Maststrategie, genetisch einheitliche Ferkel zu beziehen. Das verhindere ein Auseinanderwachsen der Tiergruppe in der Endmast, so Hortmann-Scholten. Der Trend zu höheren Mastendgewichten sei falsch. Das durchschnittliche Schlachtgewicht müsse von 98 Kilogramm auf 95 reduziert werden.
Immer mehr Fach- und Hilfskräfte würden durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft benötigt, erläuterte Hermann Brengelmann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Es sei unverzichtbar, vor Einstellung eines Mitarbeiters den Betrieb genau zu analysieren ein Prozess, den Landwirtschaftsmeister Stefan Teepker, Schweinehalter aus Handrup, mehrfach durchlaufen hat. Er berichtete aus Sicht eines Arbeitgebers über seine Erfahrungen im Umgang mit Fremdarbeitskräften. Eine klare, nachvollziehbare Arbeitsplanung sei wichtig. Anne Budde, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung angestellt ist, ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Chef und Mitarbeitern wichtig.
