CLOPPENBURG - „Leiharbeit“ hört die Branche wegen des negativen Untertons nicht so gern. Sie setzt lieber auf die Bezeichnung „Zeitarbeit“. Beide Begriffe umschreiben allerdings ein und die selbe Situation: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden von Zeitarbeitsfirmen engagiert und an Unternehmen ausgeliehen. Ein Markt, der auch im Oldenburger Münsterland boomt.
Deshalb haben am Donnerstag sieben Zeitarbeitsfirmen aus der Region in der Agentur für Arbeit in Cloppenburg für sich geworben. Sie stellten interessierten Arbeitslosen Möglichkeiten der Beschäftigung und Arbeitsangebote vor und beantworteten Fragen rund um den Job in einer Leihfirma und zur Entlohnung. Die relativ spärliche Resonanz auf den „Tag der Zeitarbeit“ stellte Thomas Petri, Leiter der Agentur, dennoch zufrieden. Schließlich sei das Thema nicht so positiv besetzt wie eine Gewerbeschau, meinte er. Aber neben der „Laufkundschaft“ sorgten Arbeitslose, die die Agentur in fünf Gruppen zu einer Info-Veranstaltung mit Rundgang eingeladen hatte, für ein wenig Belebung.
Gleichwohl hat sich laut Petri die Zeitarbeitsbranche zu einem Wirtschaftsfaktor mit zunehmender Bedeutung entwickelt, der durchaus seine Berechtigung habe. Es sei zwar nicht immer die erste Adresse für Arbeitsuchende, gleichwohl biete sie ihnen die Chance, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Und die Erfahrung zeige, dass rund 30 Prozent der Zeitarbeiter einen festen Job in den ausleihenden Firmen bekämen.
Die Bedeutung der Zeitarbeit belegen die Zahlen: Mitte 2006 waren im Oldenburger Münsterland 2147 Mitarbeiter in Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt. Ein Jahr später waren es bereits 2640 (1414 im Bereich der Geschäftsstelle Vechta, 1013 im Bezirk Cloppenburg, 213 in Friesoythe). Auch die Nachfrage durch die Zeitarbeitsbranche gibt laut Petri Aufschluss über den allgemein gestiegenen Bedarf an Arbeitskräften. So sei der Bestand der Stellen, die der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldet worden seien, von 339 im Juni 2006 auf 611 im Juni letzten Jahres gestiegen. Petri verhehlte aber auch die Schattenseiten nicht. So gilt heute als relativ unstrittig, dass durch Zeitarbeit das allgemeine Lohnniveau gesenkt wird. Und immer mehr Firmen besorgen sich langfristig Leiharbeiter, um keine regulären Arbeitsplätze zu schaffen. Noch eklatanter: Ein Unternehmen im Nordkreis hat 35 reguläre Leute entlassen, um sie anschließend als Leiharbeiter wieder zu beschäftigen.
