Cloppenburg - In der vergangenen Woche haben rund 300 Landwirte mit fast ebensovielen Treckern die Wege zum Lidl-Logistikzentrum und zum Amazon-Verteilzentrum in Emstekerfeld versperrt. Die Landwirte wollten erreichen, dass Verantwortliche vom Discounter Lidl mit ihnen sprechen. 62 Prozent finden dieses Vorgehen genau richtig. Die NWZ hatte nachgefragt, was die Leser zu den Protesten sagen. Eine Mehrheit der 62 Umfrageteilnehmer findet, dass die Landwirte allen Grund zu klagen hätten.

25 Prozent der Teilnehmer haben dafür kein Verständnis, 13 Prozent stehen der Frage neutral gegenüber. Dass die Bauern in einem Dilemma stecken, sieht auch unser Leser Konrad Thoben so. „Ein Ausweg scheint kaum möglich, da die Bauern auch schwerlich bereit sind, Veränderungen zu akzeptieren. Ein Weiter so kann und darf es nicht geben. Sie müssen umdenken“, schreibt Thoben per E-Mail.

Verständnis für die Proteste der Landwirte hat Jens Stricker (Neuvrees). Er findet, dass der Job als Landwirt eine Berufung sei. Stricker muss sich seit 2016 mit ansehen, wie sein Nachbar Strickers Flächen und Ställe bewirtschaftet, weil dieser alles verpachtet hat.

„Als Nebenerwerbslandwirt konnte ich mich nur noch um den Papierkram kümmern. Für das Ackern und die Tiere hatte ich keine Zeit, und mein Vater war es irgendwann leid. Mir blutet das Herz dabei. Doch auch mein Nachbar verliert allmählich die Lust“, berichtet Stricker per E-Mail.

Die Proteste der Landwirte seien viel mehr, denn sie würden darauf hinweisen, dass die Politik nur noch nach dem handele, was am meisten propagiert werde, so Stricker. „Das Messstellennetz des Grundwassers ist unzureichend. Die Landwirte aber müssen dieses ausbaden.“


Die Interessenvertretung „Land schafft Verbindung“ mache das, was der Mittelstand lange hätte tun müssen. Wenn es so weiter gehe und „wir uns von Greta, NABU, Peta, usw. leiten lassen, wickeln wir die deutsche Landwirtschaft ab“, meint Stricker.

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Redaktion Münsterland