CLOPPENBURG - Rundum zufrieden hat sich am Freitagnachmittag der Vorstandschef des Cloppenburger Fahrradherstellers Derby Cycle, Mathias Seidler, mit dem am Morgen vollzogenen Börsengang gezeigt. Deutschlands größter Fahrradproduzent habe mit dem E-Bike und „der internationalen Wachstumsmarke Focus“ den Investoren ein großes Zukunftspotenzial präsentiert, erklärte der seit 2002 an der Spitze des Unternehmens stehende Seidler nach der Landung aus Frankfurt in Hamburg. Man sei stolz, dass die Aktie überzeichnet gewesen sei.
Die Kapitalerhöhung um 18,8 Millionen Euro diene – so Seidler weiter – zum einen der weiteren Expansion im Ausland. Hier sei die Firma „noch lange nicht am Ende“. Zum anderen werde die Entwicklung der Zukunftsgattung „E-Bike“ am Standort Cloppenburg weiter vorangetrieben. Seidler: „Hier haben wir bereits seit geraumer Zeit in die Mitarbeiter investiert.“
Stichwort Beschäftigte: Derby habe sich entschlossen, zur Börsenpremiere keine Mitarbeiteraktien auszugeben, weil das das Zulassungsverfahren erheblich verkompliziert hätte. Seidler: „Wir behalten es uns aber vor, die Ausgabe zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.“
Obwohl er in den letzten vier Wochen nicht in der Firma gewesen sei – Seidler befand sich auf Aktien-Roadshow, um das Vertrauen von Investoren zu gewinnen –, habe er eine positive Stimmung unter den Mitarbeitern bezüglich des Börsengangs ausmachen können. Die Beschäftigten hätten hinter den Plänen der Geschäftsführung gestanden. Darüber hinaus sei durch den Börsengang von Derby in der Region ein positives Klima erzeugt worden.
Als der erst 16 Jahre alte Landbriefträger Heinrich Kalkhoff im Haus seiner Eltern 1919 anfing, mit Fahrradreifen zu handeln, dachte noch niemand an Räder mit Elektrounterstützung. Bereits im Juni 1920 handelte er mit gebrauchten Rädern. 1923 startete Kalkhoff mit zwei Mitarbeitern eine eigene Rahmenproduktion. Bis 1939 stellte die Firma in Cloppenburg 700 000 Fahrradrahmen her, beschäftigte 70 Mitarbeiter und war damit in der strukturschwachen Region einer der bedeutendsten Arbeitgeber. Nach dem Krieg nahm das Unternehmen im Jahr 1950 wieder die Fahrradproduktion auf. Zum Teil arbeiteten 1200 Menschen für die Fahrradschmiede. 1972 feierte Kalkhoff das fünftmillionste Rad. 1988 kam die Insolvenz für die Neue Kalkhoff Werke GmbH, und damit begann die Ära von Derby: Der internationale Derby Konzern gründete die Derby Cycle Werke GmbH, die wiederum die Fahrradmarke Kalkhoff übernahmen. Heute bietet Derby Räder unter den Marken Focus, Kalkhoff, Raleigh, Univega und Rixe an. Zurzeit arbeiten bei Derby 550 Mitarbeiter.
