Cloppenburg - Der Landkreis Cloppenburg kann gegen den Schlachtbetrieb am 2. Weihnachtstag keinen Widerstand leisten. Das erklärte Kreis-Pressesprecherin Sabine Uchtmann am Montag auf NWZ-Nachfrage.

Wie berichtet, hatte die Grüne/UWG-Gruppe kürzlich einen Antrag gestellt: Der Kreistag sollte Arbeit an Sonn- und Feiertagen auf Schlachthöfen ablehnen. Zu diesem Zweck sollte die Kreisverwaltung aufgefordert werden, „keine Dienste für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung einzuteilen und keine Ausnahmegenehmigungen vom Sonn- und Feiertagsverbot für die, die Schlachthöfe bedienenden, Lkw zu erteilen.“

Die hiesigen Schlachthöfe Vion (Westeremstek) und Wernke (Cloppenburg/gehört zur Sprehe-Gruppe) hatten vor gut einer Woche angekündigt, am 2. Weihnachtstag schlachten zu wollen, damit am Mittwoch, 27. Dezember, frisches Fleisch in den Supermarkt-Regalen liege.

„Für die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zur Schlachtung am Feiertag ist das Gewerbeaufsichtsamt zuständig“, so Kreis-Pressesprecherin Uchtmann. Eine derartige Genehmigung hat Wernke bereits erhalten, Vion wartet noch darauf. Wenn das Gewerbeaufsichtsamt grünes Licht gebe, bestehe für den Landkreis kein Handlungsspielraum. „Er hat die gesetzliche Pflicht, die Diensteinteilung für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung sicherzustellen“, so Uchtmann. Und auch die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen für den Lieferverkehr richte sich nach gesetzlichen Vorgaben „und nicht nach kommunalpolitischen Wünschen“.

Wie berichtet, liefen verschiedene Institutionen Sturm gegen die Vorhaben. So ruft ein Bündnis von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), CDA, ALSO, Kolping, Landesverband der Fleischbeschauer und KAB für Sonntag, 10. Dezember, 12 Uhr, zu einer Demonstration vor dem Vion-Werkstor auf.


Unterstützer und Befürworter dieser Demonstration ist auch der Emsteker Pfarrer Michael Heyer. „Schämt Euch, wenn Ihr Weihnachten für Euren Profit verkauft“, sagte er in Richtung Sprehe-Gruppe und Vion.

Grundlage der Entscheidungen sei der dringende Wunsch des Handels nach frischem Fleisch in den letzten zwei Wochen des Jahres, so ein Vion-Sprecher am Montag. Der Betriebsrat sei in die Gespräche eingebunden gewesen. Um den Mitarbeitern das Weihnachtsfest bei ihren Familien zu ermöglichen, die Kunden aber dennoch zuverlässig zu beliefern, habe Vion – so der Sprecher weiter – folgenden Plan entwickelt: kein Betrieb am 23., 24. und 25. Dezember, am 26. Dezember ein später Schichtbeginn um 7 statt 4.30 Uhr.

Vion wolle in Westeremstek am 2. Weihnachtstag 10 000 Schweine schlachten. Dafür gebe es zwei Schichten; Pro Schicht würden circa 300 bis 350 Mitarbeiter benötigt. „Die Schichtleiter und Vorarbeiter organisieren die Teams mit viel Fingerspitzengefühl. Auf Basis der Zustimmung des Betriebsrats wird besprochen, wer am 26. Dezember eingesetzt wird.“

Nach Meinung von NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer geht es ausschließlich um einen Marktvorteil für die Schlachtbetriebe: „Wenn vor Weihnachten die letzten Tiere geschlachtet werden, dann hängen sie einen Tag länger im Kühlhaus und verlieren mehr Wasser als üblich und somit an Gewicht.“ Wenn die Tierkörper 24 Stunden länger hingen, sei das sogar von Vorteil, denn das Produkt gewinne durch den Reifungsprozess.

Herbert Ahrens, Landesvorsitzender der amtlichen Fachassistenz (Fleischbeschauer), wirft dem Gewerbeaufsichtsamt übereifrigen Aktionismus vor. „Bei einer korrekten Prüfung der Sachlage hätte die Gewerbeaufsicht zu einem anderen Ergebnis kommen müssen.“

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland