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FORUM Schmerz als „Partner für das Leben“

MICHAEL LOOTS

CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Wenn die Alarmglocke Schmerz zur Dauerfolter wird, sehen viele Menschen nur noch einen Ausweg: die Selbsttötung. Rund 3000 Menschen nehmen sich jährlich in Deutschland das Leben, weil sie ihre Schmerzen nicht mehr ertragen, schätzt die Deutsche Schmerzliga in Oberursel. Ein möglicher Grund: Es gibt zu wenig Schmerztherapeuten. Dabei brauchten 3,5 Millionen Menschen eine spezielle Schmerztherapie, aber nur 20 Prozent der Betroffenen erhalten laut Harry Kletzko eine optimale Versorgung. Kletzko ist Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga. Er sieht die Gründe in einer mangelhaften Ärzteausbildung und in der Ignoranz der Politik. Kletzko: „Die Politiker kennen keine Argumente, sondern nur Zahlen.“

62 Prozent der Bundesbürger haben im vergangenen Jahr berichtet, dass sie Rückenschmerzen hatten. Bei jedem Dritten bedeutet das, der Schmerz kehrt zurück, und bei jedem zehnten wird der Schmerz der „Partner fürs Leben“. Für den Kreis Cloppenburg heißt diese Statistik: Über 26 000 Bürger hatten schon einmal länger anhaltende Schmerzen, etwa 2600 sind stark beeinträchtigt, ein Teil dürfte Chroniker sein.

Die Misere beklagt auch Dr. Bernd Radlingmayr, Anästhesist und Schmerztherapeut im Sankt-Josefs-Hospital in Cloppenburg. Er betonte aus Sicht des Experten während eines Patientenforums im „Gemeindezentrum Ketteler in Cloppenburg“ vor rund 40 überwiegend betroffenen Zuhörern ein Schmerz-Management, um den Teufelskreis von Schmerz und dem daraus resultierenden erhöhten Schmerzempfinden zu durchbrechen. Will heißen: Der chronische Schmerzpatient – dessen Leiden erst seit dem 1. April als eigenständige Krankheit anerkannt ist – dreht sich in einer Spirale, in der sich sein Denken aufgrund der unerträglichen körperlichen Qual nur noch um den Schmerz dreht.

Die permanenten physischen Schmerzen führen über Beweglichkeitsverlust, Muskelverspannung, Koordinationsprobleme zu Verunsicherung, Selbstwertverlust, Angst, Depression, Isolation und damit letztlich zu Arbeitsunfähigkeit und Verlust der sozialen Rolle.

Radlingmayr setzt dagegen eine „Schmerztherapie mit Strategie“. Das heißt, nur mit einem Bündel an Maßnahmen ist nach seiner Ansicht den Ursachen und dem Schmerz an sich möglichst erfolgreich zu begegnen. Dieses Paket besteht aus medikamentösen, physiologischen, physikalischen und psychotherapeutischen Maßnahmen. Auch Akupunktur ist für ihn ein probates Mittel. Im übrigen wollte er einem Vorurteil begegnen: Bewegung und Belastung schadeten dem Schmerzpatienten nicht – jeder müsse da seine eigenen Erfahrungen machen.


Chronische Schmerzen

Laut Deutscher Schmerzliga gibt es in Deutschland zwölf Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Rund 3,5 Millionen bedürfen einer speziellen Schmerztherapie, aber es gibt nur 500 entsprechende Einrichtungen.

Rheumatische Erkrankungen sind verantwortlich für 33 Prozent aller Frühverrentungen, 20 Prozent aller Krankenhaustage und 25,6 Prozent aller durch Arbeitsunfähigkeit verlorenen Erwerbstätigkeitsjahre. Mehr zur Deutschen Schmerzliga im Internet unter

www.schmerzliga.de

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