Cloppenburg - Was waren das doch für Zeiten beim Mariä Geburtsmarkt: Noch vor 20 Jahren spielte am Kirmes-Samstag eine Band zum Tanz auf, die Münsterlandhalle war brechend voll. Am Montag machten die Betriebe mittags Feierabend, die Schule war um 12 Uhr beendet, und alle strömten auf den Marktplatz. Aus und vorbei.

Und so sieht’s heute aus: Die Zahl der Gänge auf dem Marktgelände wurde von drei auf zwei reduziert, insbesondere die Großfahrgeschäfte lassen Cloppenburg inzwischen häufig links liegen. „Heute muss der Marktmeister noch einen Tag vor der Eröffnung telefonieren, vor 20 Jahren haben wir reihenweise Absagen ausgesprochen“, beschrieb der städtische Ordnungsamtsleiter Reinhard Riedel am Mittwochabend bei der Sitzung des Kultur-, Sport- und Marktauschusses die Situation.

Wegen der nur noch geringen Resonanz wurde das Programm in der Markthalle eingestellt. Firmen und Schüler treffen sich schon lange nicht mehr auf dem Markt, es wird inzwischen normal gearbeitet bzw. bis 13.15 Uhr zur Schule gegangen. Darüber hinaus wurde der traditionelle Viehmarkt in den vergangenen Jahren immer schwächer besucht, so dass er seit 2016 gar nicht mehr stattfindet. Und am Sonntag ist die Stadt voll, weil die Geschäfte geöffnet haben, und der Markt leer, befand SPD-Ausschussmitglied Andreas Borchers.

Es ist ein Jammer, schließlich gehen die Anfänge des Mariä Geburtsmarktes bereits auf das 15. Jahrhundert zurück. Dagegen hat die zweite städtische Kirmes – der Junimarkt – vergleichsweise wenig Tradition. Dieser ging in diesem Jahr erst in seine 68. Auflage – die Probleme sind hier gefühlt noch einen Tick schlimmer als beim Mariä Geburtsmarkt.

„Ich habe als Jugendlicher Buddy Holly auf der Raupenbahn gehört. Das war damals die einzige Möglichkeit, um an Rockmusik zu kommen“, erinnert sich der heute 65-jährige Michael Jäger, der seit Jahren die Grünen-Fraktion im Stadtrat führt. Inzwischen hätten sich die Freizeitaktivitäten der Menschen verändert. Jäger plädierte dafür, beide Cloppenburger Märkte zusammenzulegen und einen Termin unmittelbar vor den Sommerferien zu suchen.


Ausschussmitglied Olaf Vocks (CDU) will es mit externer Hilfe versuchen. Er sprach sich am Mittwoch dafür aus, beide Märkte von einer Eventagentur organisieren zu lassen. Diese könnte den Veranstaltungen mit frischen Ideen möglicherweise neues Leben einhauchen. Daraufhin wurde die Verwaltung vom Ausschuss einstimmig beauftragt, eine entsprechende Ausschreibung für den Job auszuarbeiten. Diese soll in der nächsten Sitzung des Kultur-, Sport- und Marktausschusses vorgelegt werden.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland