CLOPPENBURG - Ehrbare Handwerksarbeit sei preiswert, also ihren Preis wert, so Pauly. Kreishandwerksmeister Tönjes sagte, die Lehrzeit sei noch nicht vorbei.
von bodo meier
CLOPPENBURG - Gewohnt feierlich war der Rahmen anlässlich der Freisprechung von 217 Handwerkern in Cloppenburg am Freitagabend. Doch etwas war anders als sonst in der Stadthalle. Pastor Andreas Pauly von der evangelischen Kirchengemeinde Cloppenburg schloss seine Festrede mit einem Gebet, zu dem sich alle erhoben.Als „Mundwerker“ ging Pauly auf so manches Schlagwort der heutigen Zeit ein und hinterfragte althergebrachte Thesen wie „Gott schütze das ehrbare Handwerk!“. Neben der Frage „Wovor schützen?“ kam Pauly zum Begriff „Ehrbares Handwerk“. Dabei kam es ihm auf die Lehrlinge an, die sich den Prüfern mit ihren Aufgaben stellten und damit bewiesen, dass sie die Fertigkeiten gelernt und sich das nötige Wissen angeeignet hätten, um als Gesellinnen und Gesellen ihre Gesellenbriefe zu bekommen. Als der evangelische Pfarrer die ehrenamtlichen Prüfer sehen wollte, um sich für ihr Engagement bei den Gesellenprüfungen zu bedanken, standen von den 60 allerdings nur vereinzelte im Saal.
Als Kunde eines „ehrbaren Handwerksbetriebes“ könne man darauf bauen, dass die Leistung ordentlich und gewissenhaft ausgeführt werde, betonte Pauly. Und dieses sei „preiswert“, also „seinen Preis wert, und nicht billig!“ Schlagworte wie „Geiz ist geil“ und „Gewinnwarnung“ bezeichnete der Festredner als asozial, Maßlosigkeit und Prahlerei. So passe der Ursprung des Wortes „geil“, das nur ein anderes Wort für „Habgier“ sei.
Kreishandwerksmeister Günther Tönjes kam auch mit Schlagworten daher. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ und „Ohne Fleiß kein Preis“. Wer glaube, dass die Lehrzeit vorbei sei, der irre und hätte „besser Latein- oder Mathelehrer werden sollen“, so Tönjes, denn die Grammatik und Mathematik würden sich nicht ständig am Markt orientieren und anpassen. Dies jedoch werde vom Handwerker verlangt, wenn er im Beruf weiterkommen wolle.
Grußworte für die Gemeinden des Landkreises überbrachte Johann Wimberg, Bürgermeister der Stadt Friesoythe, und für die Schulen Margot Wiedenfeld, Leiterin der BBS Technik in Cloppenburg. Den musikalischen Rahmen der Feier gestaltete die Cloppenburger Band „Dit & Dat“.
Die Namen aller Absolventen und ihrer Ausbildungsbetriebe lesen Sie auf s.34
