CLOPPENBURG/HANNOVER - Die Messe hat noch bis morgen in Hannover ihre Pforten geöffnet. 50 Firmen aus Südoldenburg sind dabei.

Aus Hannover berichtet carsten Mensing

CLOPPENBURG/HANNOVER - Russland. Russland. Russland. Manche der 1300 Aussteller – davon 50 aus Südoldenburg – auf der EuroTier 2006, die noch bis morgen in Hannover ihre Pforten geöffnet hat, können das Wort gar nicht oft genug hören. Gigantisch sollen die geschäftlichen Möglichkeiten sein, die das Riesenreich den heimischen Tierhaltungs- und Management-Firmen in den nächsten Jahren bieten wird.

„Bei der EuroTier 2004 sind die ersten Kontakte entstanden. Im Januar diesen Jahres haben wir in Krasnodar ein Vertriebsbüro eröffnet“, erzählt Klaus Kroker, Vertriebsleiter des Alfons-Greten-Betonwerks. Die Essener stellen unter anderem Beton-Spaltenböden für Vieh her. Das Produkt ist im Stall aggressiven äußeren Bedingungen ausgesetzt – die qualitativ hochwertigen Teile sind heiß begehrt, weil ein Großteil der russischen Ställe extrem marode ist. „Unser russischer Kunde Agrokomplex, dem wir inzwischen die ersten Elemente geliefert haben, bewirtschaftet mit rund 100 Mähdreschern und 350 Traktoren eine Nutzfläche von 86 000 Hektar“, ergänzt Firmenchef Alfons Greten. Das entspreche der gesamten Nutzfläche des Kreises Cloppenburg, staunte dessen stellvertretender Landrat Antonius Lamping nicht schlecht.

Auch die in Cuxhaven beheimatete Lohmann Animal Health (LAH), Mitglied der PHW-Gruppe (Rechterfeld), sieht in der ehemaligen Sowjetunion einen wichtigen Markt. Das Unternehmen, weltweit Nummer vier für Impfstoffe gegen virale Geflügelkrankheiten und bakterielle Erreger, sieht sich aber auch im Bereich „tierische Veredelung“ (Vitamine, Enzyme, etc.). gut aufgestellt. „Der russische Markt wächst stark“, weiß LAH-Geschäftsführer Dr. Bruno Kaesler.

Russland ist für Big Dutchman aus Calveslage – nach Angaben von Pressesprecher Andreas Böske – inzwischen der größte Absatzmarkt. Komplette Einrichtungen für die Sauenhaltung, Ferkelaufzucht und Schweinemast, Trocken- und Flüssigfütterungsanlagen, Mahl- und Mischanlagen sowie Systeme für die Abluftreinigung stehen auf den russischen Wunschzetteln.


Die massiven Investitionen – maßgeblich unterstützt durch die Regierung in Moskau – stoßen allerdings auch auf Skepsis bei hiesigen Firmen. „Unter anderem bedingt durch den russischen Boom fehlen Produktionskapazitäten für den heimischen Markt“, weiß Ludwig Meier vom Garreler Stallanlagenbauer „Meyer Agrar“. Das 15 Mitarbeiter starke Unternehmen hat seine Kundschaft vorwiegend in den Kreisen Cloppenburg, Vechta, Emsland und Diepholz. Die Auftragsbücher sind voll – Sorgen hat Meier trotzdem. Das Material – vor allem Holz – sei am Markt knapp und teuer.

Um Material muss sich Reinhard Schnieder (Lastrup) keine Sorgen machen. Seine Anlagenbau-Firma – in Hannover erstmals mit einem eigenen Messestand vertreten – hat sich vor allem mit der Planung und Lieferung von Rapslagern für Biodiesel-Anlagen in den neuen Ländern einen Namen gemacht. „Der Kunde schaut nicht auf den letzten Euro, er will Qualität haben“, weiß Schnieder.

Qualität verspricht auch Uwe Branding, Geschäftsführer der German Genetics International (GGI), mit Sitz in Cloppenburg. Die Organisation vermarktet international unter anderem das Rindersperma der Weser-Ems-Union. Einen besonderen Bezug zu Cloppenburg hat Branding nicht: „Das wir dort sitzen ist reiner Zufall, wir hätten auch überall anders hingehen können.“

Ein Exportschlager sind auch die Putenküken vom Moorgut Kartzfehn. 19 Millionen Stück produzieren die Böseler pro Jahr. Rund ein Viertel geht ins Ausland – vor allem nach Polen, wo mittlerweile fast genauso viele Puten (29 Mio.) wie in Deutschland leben (31,5). „Das Wachstum findet nicht mehr in Deutschland, sondern in Osteuropa statt“, erklärt Vertriebsleiter Heinz Bosse.