CLOPPENBURG - Mit einem Festakt im Pfarrheim Sankt Andreas hat die Katholische Arbeiterbewegung (KAB) in Cloppenburg am Sonntag ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Vor 150 Besuchern hielt die Bundesvorsitzende Birgit Zenker aus Köln den Festvortrag: „Vorrang vor dem Kapital“, so der Leitspruch.
3,81 Billionen Euro
„Vorrang vor dem Kapital heißt, nicht alles für das Kapital zu tun“, so Zenker. Am Ende müsse auch noch was für den Menschen übrig bleiben. 3,81 Billionen Euro sei die erste Zwischenbilanz des Verlusts, nachdem die Finanzkrise Deutschland erfasst habe. „Heute stehen wir vor dem Scherbenhaufen des Neoliberalismus, vor dem die KAB immer gewarnt hat. Wir werden alles daran setzen, dass die Verursacher der Krise zur Rechenschaft gezogen werden und die Umverteilung von unten nach oben endlich gestoppt wird.“ Nach Zenkers Ansicht muss es einen Neuanfang in der Wirtschaftsordnung geben. Statt Reiche noch reicher zu machen, müsse eine Ordnung geschaffen werden, die das Wohl aller Menschen im Blick hat. So ist es für die Vorsitzende eine Selbstverständlichkeit, dass ein Mindestlohn von 9,20 Euro eingeführt wird.
Ein großes Problem sieht Zenker im Bildungsbereich. So scheiterten immer mehr Jugendliche in Schule und Ausbildung. Fehlende Sozialkompetenz sei oft der Grund. Die Politik sehe tatenlos zu, wie das Ausbildungsproblem zu einer Zeitbombe werde: „Bildung und Arbeit für junge Menschen sind systemrelevanter als die Verstaatlichung von Banken.“
„Profit an erster Stelle“
Auch Michael Prinz, Präses der Diözese Münster, mahnte: „Ein Grundsatz der Soziallehre lautet: Der Mensch steht immer vor dem Kapital. Immer mehr wird in der Krise deutlich, dass der Profit an erster Stelle steht.“
„Gerade in Zeiten der Globalisierung brauchen wir den Hinweis auf christliche Werte, deshalb brauchen wir die KAB, deshalb brauchen wir das soziale Engagement vieler Menschen“, so Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese. Als Geburtstagsgeschenke überreichte er eine Geldspende für das Hondurasprojekt der KAB.
