CLOPPENBURG - Der Landwirt muss auch mittelfristig mit explodierenden Pacht- und Getreidepreisen zurechtkommen: Dieses Bild hat am Mittwoch Peter Spandau von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in seinem Vortrag „Nahrung und Energie – Märkte im Umbruch, Konkurrenz um die Fläche“ gemalt. Mehr als 500 Teilnehmer aus ganz Niedersachsen kamen dazu in die Cloppenburger Stadthalle – dort ging der Junglandwirtetag 2008 unter dem Motto „Klima, Nahrung, Energie – Perspektiven für die Landwirtschaft“ über die Bühne.
Biogas: Angesichts steigender Pachtpreise von mittlerweile bis zu 800 Euro pro Hektar und Silomaispreisen von mehr als 40 Euro/Dezitonne rutschen viele Biogasanlagen ins Minus. Der vom Staat gezahlte „NaWaRo“-Bonus von sechs Cent pro Kilowattstunde reicht in diesem Szenario nicht aus, um die Anlage kostendeckend zu fahren: 7,9 Cent müssen es nach Angaben von Spandau schon sein. Die Politik will den Bonus 2009 auf acht Cent erhöhen, was wiederum Landwirte auf die Palme treibt, die nicht in der Biogasbranche sind. Sie befürchten einen noch härteren Wettbewerb um die Flächen und damit noch höhere Getreidepreise.
Bioethanol: Die Produktion von Bioethanol mit Weizen zu Preisen von mehr als 20 Euro/Dezitonne ist zurzeit keine Konkurrenz mehr für Benzin aus Erdöl – und das trotz Rekordpreisen am Weltmarkt. Der Preis für Erdöl müsste von zurzeit 102 auf 150 Dollar je Barrel steigen, bevor Bio-Ethanol aus Weizen wieder wettbewerbsfähig wäre. Die Folge: Bioethanol wird verstärkt mit Zuckerrohr aus Brasilien und Indonesien produziert. Spandau: „Wir balsamieren unsere grüne Seele mit der Vernichtung des Regenwaldes.“
Schweinepreise: Im Sog fallender Futtermittelpreise sind die Preise für Schweinefleisch von 1,60 Euro/Kilogramm (1989) auf 1,30 Euro/Kilogramm (2007) gesunken. Bei einer „Anpassung des Angebots nach unten“ (Originalton Spandau) dürften mittelfristig die Schweinefleischpreise wieder anziehen – 40 Cent mehr pro Kilo bräuchten die gebeutelten Schweinezüchter, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.
Getreideproduktion: Die Unterdeckung mit Weizen auf dem Weltmarkt gibt es nach Ansicht von Spandau mit einer Ausnahme (2005) bereits seit 2001. Die Lagerbestände seien kontinuierlich verbraucht worden. 2094 Millionen Tonnen würden in 2008 benötigt, damit fehlten 20 Millionen Tonnen. Der Bedarf für Nahrung (2008: 1242 Mio Tonnen) und Futter (744) sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Die 108 Tonnen, die mittlerweile für Ethanol draufgingen, hätten das Fass – so Spandau – „zum Überlaufen gebracht“.
