CLOPPENBURG - Stahlblech feilende Mädchen und Jungs, die feines Haar gekonnt auf Lockenwickler drehen – Wunschdenken von Industrie und Handwerk angesichts knapper werdender Fachkräfte? Nicht in der Cloppenburger Kreishandwerkerschaft. Hier testen derzeit 60 Jugendliche aus der Haupt- und Realschule Marienschule sowie der Förderschule Albert-Schweitzer-Schule die Berufsfelder Metall, Maler, Tischler und Friseur. Nicht ganz einfach für die Achtklässler, acht Stunden überwiegend zu stehen, sich zu konzentrieren, körperlich zu arbeiten und dabei auch noch genau sein.
Die zum dritten Mal eröffnete Talentwerkstatt der Kreishandwerkerschaft will den zukünftigen Schulabgängern mehr bieten als nur ein „Ausprobieren“ verschiedener Berufe. Im Vorfeld der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit 500 Euro pro Schüler geförderten Berufsorientierung stand für die Jugendlichen erstmals eine dreitägige Analyse ihrer Fähigkeiten und Neigungen im Haus des Handwerks, das die gleiche Summe mit Hilfe der Schulen schultert. 1000 Euro, die sich lohnen, sind sich Lehrer und Handwerk einig. Zeigt doch gerade die Potenzialanalyse, wo die Talente und Stärken der Schülerinnen und Schüler liegen.
Wie die Klassenlehrer sahen auch die Schulleiterinnen Doris Lorenz und Christine Döpke von der Marienschule sowie Günter Gronemeyer von der Albert-Schweitzer-Schule ihre Schützlinge aus einer ganz ungewohnten Perspektive: „Im Gespräch mit unseren Schülern haben wir von einer überraschenden Wertschätzung der meisten Schüler gegenüber ihren Produkten erfahren, was angesichts der Tatsache, dass sie ihr Werkteil als etwas ganz Persönliches empfinden, nicht verwunderlich ist.“
Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Dr. Michael Hoffschroer, und das Projektteam – bestehend aus Sigrid Tebben und Rainer Wilkens (beide Kreishandwerkerschaft) – zollten dem jungen Berufsnachwuchs großes Lob. Alle Teilnehmer hätten vom ersten Tag an Begeisterung und Durchhaltevermögen gezeigt. Positiv fiel auch auf, dass die Schülerinnen und Schüler aus den unterschiedlichen Schulen und Klassen in den Werkstattgruppen gut zusammenarbeiteten. Das bestätigten auch die Ausbilder Rosel und Ernst Vossmann (Friseure), Werner Wess (Tischler), Hermann Rosenbaum (Maler) sowie Georg Fresenborg und Günter Sterl (Metall).
Positiv sieht auch Berufsberater Rolf Kramer die Maßnahme: „Auf das Arbeits- und Sozialverhalten wirkt sich der Einsatz positiv aus.“ Hier arbeitet der Praktikant nicht unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen, sondern lernt das Verhalten in einem Betrieb.
@
