CLOPPENBURG - Selbstbewusst haben sich die Landfrauen am Dienstag bei ihrem Kreislandfrauentag in der Cloppenburger Stadthalle gegeben. „Das Leben im ländlichen Raum ist durch uns Frauen lebenswerter. Die Region wäre ohne uns wesentlich ärmer“, sagte Kreisvorsitzende Ursula Ahrens.

Eine Einschätzung, die Cloppenburgs Landrat Hans Eveslage bestätigte. „Ihr wirtschaftliches, soziales und gesellschaftspolitisches Engagement ist unverzichtbar für ein gedeihliches Zusammenleben im ländlichen Raum“, sagte Eveslage in der voll besetzen Stadthalle. Das Ansehen der Landwirtschaft werde ganz wesentlich von den Landfrauen geprägt, lobte der Landrat. In 19 Landfrauenvereinen im Kreis Cloppenburg sind knapp 3000 Frauen organisiert. Eveslage gab aber auch zu bedenken, dass nicht selten die Belastung durch Beruf und Familie so groß sei, dass kaum noch Zeit für eigene Aktivitäten bleibe.

Immer häufiger gehört auch dazu, einen älteres Familienmitglied zu pflegen. Alter und demografischer Wandel seien für die Landfrauen ein Dauerthema, sagte Landesvorsitzende Agnes Witschen. Zumeist seien es doch die Frauen, die die Pflege übernähmen. Enttäuscht zeigte sie sich darüber, dass die Bundesregierung keine Einigung bei der Reform der Pflegeversicherung gefunden habe. „Hier muss schnell etwas passieren.“ Frauen mit gebrochener Erwerbsbiografie etwa durch Kindererziehung oder Pflege müssten etwas für die persönliche Altersvorsorge tun, um nicht im Alter in Armut abzurutschen, sagte Witschen weiter.

Dem Thema Alter widmete sich auch Gastredner Dr. Henning Scherf. Unter dem Titel „Grau ist bunt“ berichtete Bremens Alt-Bürgermeister über seinen Ansatz, dem „demografischen Super-GAU“ entgegenzuwirken. Nicht die Ghettoisierung der Alten nach amerikanischem Vorbild sei seine Vorstellung. „Die Menschen wollen dort bleiben, wo sie sich wohlfühlen und auskennen.“ Allerdings führe der Glaube, dass alle alten Menschen von Hauptamtlichen gepflegt werden könnten, in die Irre, so Scherf. In zehn Jahren würden 450 000 Pflegekräfte fehlen. Die Alternative: Selbst aufeinander achten und Netzwerke schaffen, die tragen. Als Beispiel berichtete Scherf über sein Wohnprojekt, in dem er sei 24 Jahren mit zehn Mitbewohnern lebt.

Auch die Landfrauen könnten soziale Netzwerke schaffen, damit eine altersveränderte Gesellschaft nicht in der Isolation der Alten münde. Scherf: „Hier kommt eine Lebenskompetenz zusammen, die ganz ungewöhnlich ist.“

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)