CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Unqualifiziertes Personal aus Osteuropa, Lohndumping, schlechte Behandlung der ausländischen Beschäftigten in der Fleischbranche – alle diese Vorwürfe hat Michael Andritzky als „an den Haaren herbeigezogen“ abgetan. Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss aus Hannover räumte in einer Live-Sendung des „Nordwestradios“ in der Cloppenburger Stadthalle zum Thema Lebensmittelsicherheit zwar ein, dass es in einigen Bereichen der Lebensmittelbranche Mitarbeiter aus Osteuropa gebe, aber es sei vermessen, diese Leute abzuqualifizieren. Andritzky konterte damit Wolfgang Endling von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Endling hatte die Tendenz vor allem in der Schlachtbranche kritisiert, qualifiziertes Personal durch Billiglohnkräfte aus vielfach anderen Branchen zu ersetzen. Das führe zu Lücken in der Qualitätskontrolle.
Andritzky hielt dagegen, dass gerade Hersteller und Handel Angst vor einem Skandal hätten. Diese Angst sei die größte Gewähr für Lebensmittelsicherheit. Deshalb gebe es Kontrollsysteme und Prüfungen der Standards. Und bei Problemen werfe die Großindustrie schon mal leichter Chargen weg als kleine Betriebe. Das Problem sei vielmehr, dass die Industrie die hohe Sicherheit mangelhaft kommuniziere.
Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des niedersächsischen Amtes für Verbraucherschutz, hält jedoch die Selbstkontrolle der Firmen für unzureichend. Viele Gütesiegel führten noch nicht zu einer Transparenz. Er setzt auf weitere gesetzliche Regelungen und eine Überwachung, die „risiko- und zielorientiert ist“. Endling fordert dagegen ein Umdenken. Neben artgerechter Tierhaltung müsse es auch eine artgerechte Arbeitnehmerbehandlung geben. Christel Lohrey von der Verbraucherzentrale mahnt Lebensmittelsicherheit als oberstes Gebot an. Transparenz dürfe sich nicht im Werbegewäsch der Industrie erschöpfen, und für Oberstaatsanwalt Gerhard Kayser ist es unzureichend, die Hoffnung aufs Strafrecht zu setzen. Das sei nur die Ultima Ratio.
