CLOPPENBURG - „Mit der Papierschwalbe fing alles an, das vergisst man nicht. Ist doch verrückt, oder?“ 41 Jahre ist das her, erinnert sich Wolfgang Hagemann. Von den vielen Papierfiguren, die er damals mit sechs Jahren faltete, wurde eine vom Aufwind über ein Hausdach getragen. Hagemann war fasziniert. Er glaubte damals, er habe diese eine besonders gut gefaltet und wollte das noch besser schaffen. Drei Jahre später flog etwas von ihm erstmals weiter, als er werfen konnte. „Dieses Modellflugzeug flog vielleicht 15 Meter, aber es flog.“ Sein Modell hatte er aus Papier und Holz gebaut, die entscheidende Verbesserung war, den Schwerpunkt nach vorne zu verlegen, wie sein Werklehrer ihm geraten hatte.
Steuerung für 989 Mark
Sein nächster Wunsch war, sein Modellflugzeug steuern zu können. Das sei als Kind natürlich völlig illusorisch gewesen, erzählt er. Die billigste Fernsteuerung habe damals 989 Mark gekostet. Als sie günstiger wurden, ließ er sich mit 14 Jahren eine schenken. Zu der Zeit besaß er ein Motor- und ein Segelflugzeug; die Steuerung habe er je nach Wetterlage umgebaut. Fortlaufend musste er neue Modelle bauen, denn nach einem Absturz waren sie zumeist kaputt – und Abstürze seien damals häufig vorgekommen. Zu der Zeit wohnte er im Cloppenburger „Heiligenviertel“. Seine Modelle flog er auf der Wiese hinter der Bücke Richtung Staatsforsten, wo er selten allein gewesen sei. „Das war der inoffizielle Modellflugplatz“, so Hagemann.
Heute besitzt er 25 Modelle, greift aber nur noch zu Säge und Leim, wenn ihm etwas Besonderes eingefallen ist, was es nicht zu kaufen gibt. Bereits seit gut 20 Jahren konzentriert er sich auf eher kleine Modelle und beim Antrieb auf Elektromotoren. Die seien damals gerade aufgekommen. „Mich hat das Neue als Herausforderung gereizt“, erzählt er. Verbrennungsmotoren seien ihm zu schmierig und zu laut, der elektrische Antrieb biete auch den Vorteil, dass man ihn während des Flugs beliebig aus- und wieder einschalten könne.
Manchmal belächelt
Für seine kleinen Elektroflieger werde er manchmal auch belächelt. Kürzlich habe er noch gelesen, dass kleine Flugzeuge besonders leicht zu fliegen und Turbinenantriebe das Ziel jedes Hobbyfliegers seien. Hagemann – sonst sachlich und ruhig – entfährt dabei ein „Bullshit“.
Er suche den Ausgleich und freue sich über die Vielfalt der Flieger – über Hubschrauber und Flächenflieger, über vorbildgetreue Nachbauten und Zweckmodelle, über besonders kleine und besonders große. Zum einen aber brauche man zum Fliegen kleiner Modelle sehr gute aerodynamische Kenntnisse und zum anderen wolle ja auch nicht jeder Autofahrer einen Ferrari besitzen. Mit denen vergleicht Hagemann die Turbinen-Modelle, weil diese ebenfalls sehr schnell und sehr teuer seien. Auf Flugtagen stünden sie häufig im Vordergrund, weil sie nebenbei auch laut, häufig groß und aufgrund ihres Preises selten seien. Mit bis zu 10 000 Euro schlagen sie zu Buche. Deswegen würde auch viele zu Unrecht glauben, dass Flugzeugmodellbau grundsätzlich ein teures Hobby sei.
Dabei sei die Motivation der Modellbauer unabhängig von der Art und Form ihrer Flugobjekte: „Es ist bei allem die Faszination, etwas zum Fliegen zu bringen, was schwerer ist als Luft, ohne selber drin zu sitzen“, beschreibt Hagemann.
Keine Fertig-Modelle
Fertig-Modelle, wie es sie seit einiger Zeit aus einem styroporartigen Schaum gegossen gibt, sind nichts für ihn. Anfängern seien die zu empfehlen. Ihn selbst aber reizt vor allem das Bauen – mehr sogar als Fliegen. So könne es passieren, dass er ein Modell gerade fertig gestellt habe und am ersten Abend beim Bier mit Freunden schon über das nächste nachdenke.
Infos zum Modellbauclub Cloppenburg: www.mbc-clp.de
