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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Sorgen in Milchbetrieben sind zurück

06.01.2018

Cloppenburg Der Milchpreis ist erneut ins Rutschen geraten. Das marktführende Deutsche Milchkontor (DMK/Bremen) hat den Auszahlungspreis für die Bauern zum Jahresbeginn um fünf Cent auf 35 Cent je Kilogramm Milch gesenkt, wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigte. „Wir müssen uns an einen Markt anpassen, auf dem die Preise wieder abwärts gehen“, erläuterte DMK-Pressesprecher Oliver Bartelt. Mit den 35 Cent starte man „mit einem wettbewerbsfähigen Milchgeld ins neue Jahr.“

Fest steht: Es ist Bewegung im Milchmarkt. So ist auch aus Lieferantenkreisen der Molkerei Ammerland mit Verweis auf Schreiben zu hören, dass mit rückläufigen Preisen zu rechnen sei. Mancher andere Genossenschafts- und Privatbetrieb ging schon voraus, mancher wartet ab. Teils ist auch von nur zwei Cent je Kilo Abschlag die Rede.

Klar ist aber: Bei den Milchbauern sind die Sorgen zurück. Recht kurz war die Phase, in der Milchpreis nahe 40 Cent als relativ auskömmlich galten, um Kosten und Investitionen stemmen zu können. Auch das DMK selbst fand die im Zeitraum Oktober/Dezember gezahlten 40 Cent „ordentlich“ und „überdurchschnittlich“.

Die nun erfolgte Milchgeld-Senkung beim Branchenprimus (mit großen Produktionsstandorten u.a. in Edewecht und Strückhausen) ist längst Tagesgespräch unter Milchbauern. Zuletzt etwa bei der Masterrind-Auktion in Cloppenburg, mit leicht niedrigerem durchschnittlichen Färsenpreis von 1613 Euro statt 1781 Euro zuvor.

„Fünf Cent pro Liter ist doch ein bisschen happig“. Die Nachricht des Milchriesen an Georg Tellmann aus der Molbergener Bauerschaft Bischofsbrück (Kreis Cloppenburg) ist zwar schon einige Tage alt. Doch der Ärger sitzt immer noch tief.

Etwa sieben Milliarden Kilo Milch liefern 7600 Milchbauern zu den 24 Standorten von DMK. Zum Jahreswechsel verlor man per Kündigung rund 450 Mio. Kilo Milch, weitere ist zu 2019 gekündigt.

„Aber wo sollen wir hin?“, fragen Bauern wie Werner Tellmann, der mit 50 Milchkühen und einer Herdenleistung von 12 348 kg Milch im letzten Jahr Spitze im Kreis Cloppenburg war. In Weser-Ems kamen 388 000 Kühe (minus 920) in 4100 Betrieben (minus 250) auf 8831 kg Milch.

Mancher Milchbauer schaut auf andere Molkereien – oder gar ins Ausland. Ist es in den Niederlanden besser? Henrik Wille aus Essen-Herbergen, der sich erneut für die „Schau der Besten“ am 21. Februar in Verden rüstet, war 2012 zu Doc Kaas in den Niederlanden gewechselt. Doch die Molkerei in Hoogeveen wurde dann von DMK übernommen, wie schon andere in Deutschland – und Wille hatte dann die alten Kontrakte zurück.

Oder gibt es kleinere Verarbeiter, mit lukrativen Nischen? „Die beste ist Mertens“, meint etwa Josef Batke, ein pensionierter Agrar-Berufsschullehrer aus Vechta. Aber auch Mertens nimmt aktuell keine Milchbauern mehr in die Lieferliste. Paul Mertens war schon vor 100 Jahren Leiter einer Molkerei im kleinen Herßum zwischen Löningen im Cloppenburgischen und Haselünne im Emsland.

Und was macht die Menge? Sie gilt ja schließlich als Hintergrund fallender Preise.

Wirtschaftskenner unterstellen den Milchbauern eh ein „inverses Angebotsverhalten“. Wie beim Schweine-Zyklus steigt bei attraktiven Preisen die Milchproduktion. Wenn dann die Nachfrage sinkt, kann die produzierte Milch nicht mehr abgesetzt werden. Der Preis sinkt. Einige Milcherzeuger versuchen nun durch eine erhöhte Milchproduktion, genauso viel Geld jeden Monat zu verdienen wie zu den Zeiten mit guten Preisen. Durch dieses inverse Angebotsverhalten helfen sie vielleicht ihrem eigenen Betrieb, verschlechtern aber die Aussicht auf eine schnelle Besserung für die Gesamtbranche. Das wurde in mehreren Zyklen beobachtet.

Und jetzt droht das Gleiche. „Aber wir Milchbauern können doch nicht so schnell reagieren wie andere“, meint Peter Wreesmann-Grever aus Lastrup-Schnelten, der auch in Zukunft 100 Kühe im Stall haben will. „Kühe brauchen mindestens zwei Jahre“. Erst danach kommt das erste Kalb und die Färsen geben Milch.

Über die Preissenkung bei der DMK war schon wochenlang spekuliert worden.

Wichtig sei der „längerfristige Blick“, meinte der Firmensprecher gegenüber dieser Zeitung. Er verwies auf Wachstum mit der Marke Milram, Kooperationen etwa mit Arla für eine bessere Wertschöpfung und Prozessverbesserungen. Ein Beispiel sei der aktuelle Neu-Aufbau der Herstellung von Babynahrung in Strückhausen.

„DMK vollzieht jetzt die Anpassung des Auszahlungspreises, die andere Molkereien teilweise schon ab Dezember vollziehen mussten. Wir werden auch im neuen Jahr die Auszahlungspolitik genauso verantwortungsbewusst steuern, wie das bereits 2017 geschehen ist“, heißt es.

Wann schwingt das Pendel dort wieder zurück? 2017 waren immerhin durchschnittlich 36 Cent/kg gezahlt worden. Das waren rund 10 Cent mehr als 2016. Zurzeit gilt bei DMK und anderen Betrieben: „Eine Marktprognose über einen längeren Zeitraum ist leider nicht möglich und nicht seriös.“ Bei vielen Milchbetrieben wachsen die Sorgen.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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