CLOPPENBURG - Die Stellmacherei von Friedrich Ahrens aus Westerstede war am Sonntag erstmalig das Ziel eines „Sonntagsspaziergangs“ im Cloppenburger Museumsdorf. Der stellvertretende Museumsdirektor Dr. Hermann Kaiser führte die 50 Besucher in die Geschichte ein. Die Werkstatt ist erst seit November 2007 für Besucher offen. Nach einem Brand des Dachstuhls konnte sie mitsamt der vollständig erhaltenen Inneneinrichtung und dem dazu gehörigen Haupthaus aus dem Jahr 1566 aus Westerstede nach Cloppenburg ins Freilichtmuseum geholt werden.

Die Werkstatt sei ursprünglich nur eine offene Wagenremise gewesen, so Kaiser. Durch Um- und Anbauten wurde aus der einstigen Remise der Wallköterei (1885) die Stellmacherei, in der Ahrens bis 2001 werkelte. Bis dahin war es ein langer Weg. Kurz nachdem der Erbauer Friedrich Bunge den Wagenunterstand fertig gestellt hatte, verstarb er. Die damals 16-jährige Tochter Margarethe Elisabeth erbte 1886 den verkehrsgünstig gelegenen Hof. Die Remise lag am Kirchweg, den die Bauern regelmäßig nutzten. Dies erkannte auch Stellmacher Johann Heinrich Ahrens 1890 und baute den Wagenunterstand in einen Handwerksbetrieb um. Bereits nach einem Jahr wurde aus dem Mietvertrag eine Ehe zwischen der Erbin und dem Handwerker.

Beides entwickelte sich prächtig. Aus der Ehe stammten vier Kinder, und die Werkstatt wurde nach und nach moderner. Drei Gaslampen erleuchteten schließlich den Arbeitsplatz, und so begann die Technisierung in diesem Landhandwerk, das in Norddeutschland seinen Namen von den Gestellen der Pflüge und der Wagen bekam.

Mit dem Einzug von Stahl und Traktoren ab 1950 in die Landwirtschaft blieb für die Stellmacher dann bald keine Arbeit mehr übrig. So erging es auch in der dritten Generation: Friedrich Ahrens verdiente sein Geld als Leiter des Bauhofs, aber in der Werkstatt arbeitete er nach Feierabend noch bis zu seinem Tod 2001.