CLOPPENBURG - Längst vergessene Geräusche klangen am Wochenende aus dem Museumsdorf in Cloppenburg. Ein ständiges „Bupp Bupp Bupp“ ließen dabei die zahlreichen Lanz Bulldog erklingen, um dabei hellbläuliche bis dunkelgraue Wolken in den Himmel zu schicken. Das mit 419 Fahrzeugen gut besuchte 6. Traktoren-Treffen – 30 mehr als beim letzten Mal – brachte so manches Oldtimer-Herz in Gleichklang mit den alten Zugmaschinen.
Und das sei auch der museale Gedanke des Treffens alter Technik, betonte Dr. Hermann Kaiser vom Museumsdorf. Er gewährte einen kleinen Einblick in die technischen Anfänge in der Landwirtschaft. Der alte Lanz aus dem Jahr 1921 sei lediglich ein Motor auf Rädern, mit dessen Hilfe sich die Bauern den Pflug über das karge Land ziehen ließen oder über Lederriemen ihre Maschinen antrieben. Ganze Moore wurden mit der Hilfe von riesigen, dampfgetriebenen Lokomobilen kultiviert, so Kaiser.
Wenn auch die zu Hochglanz polierten, mit verchromten Stahlteilen versehenen Zugmaschinen eine Augenweide waren, hörte man am Rand kritische Stimmen. Solche Traktoren hätten wenig mit dem Arbeitsgerät der vergangenen Tage zu tun, sondern dienten lediglich dem Spazierenfahren, monierte ein Besucher.
Nichtsdestotrotz: Eine Kommission ging der Frage „Hochglanz oder Rostspuren“ nach und bewertete die gepflegten Maschinen der Hobbyisten. Die Kraft der Zugmaschinen stellten – in Leistungsgruppen eingeteilt – die Schlepper vor einem Bremswagen zur Schau. Hier mussten die Maschinen beweisen, was in ihnen steckt. Auf einer Wippe musste der Fahrer Feingefühl zeigen und mit seinem stählernen Untersatz Balance finden und halten. Eine historische Dreschmaschine in Aktion ließ erkennen, wie mühselig noch vor 50 Jahren das Einbringen der Ernte war.
Zu den jüngsten Freunden der alten Technik gehörte der dreijährige Jonas aus Bühren. Bereits mit acht Monaten habe Jonas sein schönstes Lächeln aufgesetzt, erzählt Opa Werner Landwehr, wenn der sich seinen dunkelbraunen Filzhut aufgesetzt habe, und kurze Zeit später das eigentümliche Geknatter des alten Deutz D25 auf dem Hof ertönt sei. „Dann sind wir beide mal eben von Bühren nach Kellerhöhe und zurück“, lacht der Opa. Die meisten Kilometer habe er zusammen mit seinem Enkel zurückgelegt.
Der Traktor sei ein Geschenk von seiner Frau zur Silberhochzeit gewesen. Mit einem solchen Deutz habe Landwehr bereits mit zwölf Jahren auf dem elterlichen Hof seine Runden gedreht und auf dem Acker den Pflug gezogen. Heute freut er sich über das Interesse des Enkels und hofft, dass Jonas die alte Technik bewahrt.
