CLOPPENBURG - Die Arbeit in der Landwirtschaft war früher eine Tortur. Um 1900 stand noch der Knecht mit der Sense auf der Wiese, und nach einem Tag hatte er gerade 0,3 Hektar geschafft. Heute erledigt diese Arbeit ein selbstfahrendes Mähwerk mit neun Metern Arbeitsbreite, und am Ende sind zehn bis 15 Hektar bewältigt – in einer Stunde!

In kaum einer anderen Branche ist der Wandel so radikal wie in der Landwirtschaft, und ein Ende ist für Christoph Gers-Grapperhaus von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nicht absehbar. Professor Dr. Uwe Meiners, Direktor des Museumsdorfes in Cloppenburg, vergleicht die Rasanz der Veränderungen gar mit der Computerbranche. Es sagt: „Das Normale ist der Wandel“.

Diese Entwicklung in den vergangenen 100 Jahren visualisieren die Landwirtschaftskammer und das Museumsdorf am Sonntag, 1. Juli, von 10 bis 18 Uhr an einem Aktionstag unter dem Titel „Landtechnik gestern und heute“. Sechs Schwerpunkte werden thematisiert: Bodenbearbeitung, Kartoffelernte, Grasernte, Schleppertechnik, Futtertechnik und Holzbearbeitung. Aus diesen Bereichen stehen sich im Freilichtmuseum 50 historische und hochmoderne Maschinen gegenüber. Der größte Schlepper der Welt (450 PS) passt mit vier Metern Breite allerdings nicht mehr durchs Museumstor. Er ist am Eingang zu bestaunen. Viele andere Maschinen sind dagegen im Einsatz zu sehen. In zwei Blöcken – 10.30 bis 13.15 Uhr und 14 bis 16.45 Uhr – werden die Technik und Arbeitsleistung der Maschinen über Lautsprecher kommentiert.

Die „Zeitreise durch die Landtechnik“ soll laut Gers-Grapperhaus nicht nur informativen Erlebnischarakter haben, sondern auch die Kritik an der Landwirtschaft hinsichtlich möglicher Schäden für Umwelt und Natur versachlichen. Der Experte sagt, neueste Technologie führe sogar zu geringerer Bodenverdichtung und reduziertem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Unbestritten ist, dass die Technisierung viele Arbeitsplätze gekostet hat. Allerdings spielen heute innovative Unternehmen der Region in Sachen Landtechnik weltweit in der ersten Liga und binden dadurch direkt und im nachgelagerten Bereich (neue) Arbeitsplätze.

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