Cloppenburg/Oldenburg - Er soll Migranten Versprechungen zur Visum-Erteilung gemacht und Geld angenommen haben, obwohl er nicht für sie als Anwalt tätig wurde: Mit zahlreichen Zeugenvernehmungen versucht die Große Wirtschaftsstrafkammer des Oldenburger Landgerichts, die Anklagevorwürfe gegen den Cloppenburger Rechtsanwalt Adem Ortac (40) zu ergründen.

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Am Donnerstag sagten weitere Zeugen in dem Strafprozess aus, in dem sich der Anwalt und Kommunalpolitiker Ortac wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Verstoßes gegen das gegen ihn verhängte Berufsverbot verantworten muss. Unter ihnen ein syrisches Ehepaar, das mit einem weiteren Syrer zu Ortac nach Cloppenburg gefahren war. Der Anwalt habe 2016 gegen ein Honorar von 2000 Euro Hilfe in einer Familienzusammenführung versprochen. Er habe den Anwalt gefragt, wie er das denn anstellen wolle, sagte der 53-jährige Zeuge. Die Töchter der Migrantenfamilie seien schon volljährig, und die Familienzusammenführung könne somit nicht klappen. Er habe Kontakt zum Konsulat in Istanbul, sagte Ortac dem Zeugen zufolge, und über diesen Kontakt könne die Zusammenführung klappen. Die Zusammenführung kam nicht zustande.

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Für ein 14-jähriges Mädchen in Syrien, dessen Eltern aber schon in Deutschland waren, wollte der 53-jährige Zeuge ein Visum erlangen, sagte er vor Gericht aus. Er gab Ortac als Vorschuss 700 Euro, 1500 Euro waren als Honorar vereinbart. Ortac sei jedoch nicht tätig geworden. 100-mal habe er den Anwalt angerufen. Der habe Ausflüchte gesucht. „Das geht nicht so schnell“, soll Ortac geantwortet haben. Das gezahlte Honorar wolle er zurücküberweisen, doch die Mitarbeiterin habe einen Fehler beim Ausfüllen des Überweisungsformulars gemacht, deshalb sei das Geld nicht angekommen. Dann habe er, so der Zeuge, seine Verwandten in Vechta und Lohne gefragt (da war das Berufsverbot gegen Ortac schon verhängt), und die hätten gesagt: „Euer Geld ist weg.“


Schließlich habe Ortac die Übergabe des Geldes in Bremen versprochen, wo er nun tätig sei. Das Ehepaar und ein weiterer Syrer, der für die Familienzusammenführung Geld gezahlt hatte, fuhren nach Bremen. Dort klingelten sie vergeblich an der angegebenen Adresse – es war ein Sonntag im August 2017. Nebenan befand sich eine Polizeiwache, wo die Geschädigten Anzeige erstatteten. „Er hat uns angelogen. Warum hat er uns nach Bremen geschickt?“, fragte der 53-Jährige den Vorsitzenden Richter Dr. Ralf Busch. „Das können wir leider nicht beantworten“, sagte der Vorsitzende.

Seit Anfang Februar muss sich Ortac vor der Wirtschaftsstrafkammer verantworten. Weitere Zeugenvernehmungen sind noch geplant. Er selbst hatte sich zu der Steuerhinterziehung und dem Verstoß gegen das Berufsverbot bekannt. Die Fälschung von Aufenthaltserlaubnissen (in sieben Fällen) hatte er abgestritten. Entgegen der Anklage sei er aber für die Mandanten tätig geworden, hatte Ortac zu Beginn des Prozesses erklärt.