Cloppenburg - Hubertus Berges, Vorsitzender des Cloppenburger Kreislandvolkverbandes, sind im Moment die Sorgen ins Gesicht geschrieben. „Ich habe Angst“, sagt er. „Angst um die Zukunft der Region.“ In keinem Kreis gibt es mehr Schweine als in Cloppenburg. Nirgends wäre der Schaden beim Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) größer als hier. „Und ein nicht zu unterschätzendes Risiko bleibt nach wie vor bestehen.“
Alle Schweinebauern der Region, auch im Emsland, im Kreis Vechta, im Oldenburger Land und den angrenzenden viehreichen Regionen schlafen im Moment schlecht. Täglich kommt die ASP näher. Im Fall der Fälle drohen – so der Bauernverband – Milliarden-Verluste.
„Prävention ist auch für den Steuerzahler wichtig“, lenkt Professor Dr. Thomas Blaha (Bakum), ehemaliger Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Vorsitzender der „Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz“, den Blick auf den gesellschaftlichen Schaden. „Ein Ausbruch der Pest kostet Millionen“, meinte er.
Bei der Prävention müsse man sich auf die Wildschweinpopulation konzentrieren. Es gebe eine viel zu hohe Wildschweindichte. Inzwischen auch hier in der Region. Deshalb sei jede Wildschweinjagd im Moment von Vorteil. Wenn ein einziges Wildschwein infiziert ist – und sei es in Deggendorf – gibt es für ganz Deutschland Handelssperren. Das ist jüngst ja auch den Polen passiert.
Dazu reagierte hier der Schlachtschweinemarkt sehr nervös. Halten sich die Verbraucher schon jetzt – ohne Grund – beim Schweinefleisch in den Supermärkten zurück? Der rapide gefallene Preis – in dieser Woche nur noch 1,30 Euro/kg – und die immer noch vorhandenen deutlichen Angebotsüberhänge deuten darauf hin.
Wenn aber das Ausland kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland nimmt, kostet das die Branche Milliarden Euro. Mehr als jedes dritte deutsche (Haus-) Schwein wird in Niedersachsen gehalten und gemästet. Von den elf Millionen Tieren steht wiederum mehr als die Hälfte in Ställen in den Kreisen Cloppenburg, Emsland, Osnabrück und Vechta. Die Hälfte des in Deutschland produzierten Schweinefleisches geht in den Export. Dazu käme ein enormer wirtschaftlicher Schaden für den vor- und nachgelagerten Bereich, vom Stallbau bis zu den Schlachtern und Zerlegebetrieben.
Die niedersächsischen Jäger, die noch vor wenigen Jahren vor allem im Westen des Landes nur selten ein Wildschwein vor die Flinte bekamen, dürfen Frischlinge und Überläufer immer jagen, Bachen und Keiler aber nur bis zum 31. Januar. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind auch viele Jäger aus der Region Jagdpächter. Dort dürfen alle Arten des Schwarzwildes dagegen wie in Rheinland-Pfalz immer gejagt werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es wiederum längere Schonzeiten, die schon aufgehoben sind.
Bernd Kurmann (Bösel), Vorsitzender der Kreisjägerschaft Cloppenburg, forderte jüngst die Verlängerung der Jagdzeiten, entweder durch das Land oder per Verordnung des Landkreises. Jäger wollen auch in Naturschutzgebieten auf Wildschweine schießen dürfen.
