CLOPPENBURG - Junge Drogensüchtige mit Migrationshintergrund sollen bei einem bundesweiten Modellprojekt in der Region Cloppenburg besseren Zugang zu Hilfsangeboten bekommen. Das Projekt wird drei Jahre lang mit rund 450 000 Euro vom Bundesgesundheitsministerium gefördert, hieß es am Freitag bei der Projektvorstellung im Cloppenburger Kreishaus.
Zwei neue Mitarbeiter
Die Mittel werden im Wesentlichen zur Finanzierung zweier zusätzlicher Mitarbeiter in der Fachstelle Sucht „Drobs“ Cloppenburg verwendet. Drobs-Projektleiter Michael Koletzki, die – am 1. August neu eingestellte – russischsprachige Maria Shestakova sowie ein noch zu benennender Mitarbeiter sollen für die Umsetzung der Projektaufgaben sorgen. Prof. Dr. Knut Tielking und Henning Fietz von der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven werden das Projekt wissenschaftlich begleiten. Dieses basiert auf der Erfahrung, dass auch junge weibliche Drogensüchtige mit Migrationshintergrund Hilfsangebote seltener und später in Anspruch nehmen als ihre deutschen Altersgenossinnen. „Viele fürchten, dass sie nach dem Bekanntwerden ihrer Sucht von der Familie nach Russland ,deportiert’ werden“, weiß Koletzki. Dort würde vielfach versucht werden, die Süchtigen mit harten Zwangsmaßnahmen clean werden zu lassen.
Neue Wege gehen
In dem Modellprojekt sollen neue Wege der Information und Ansprache entwickelt und die Übertragbarkeit auf die Regelversorgung überprüft werden. Die Palette reicht von Hinweisen auf Hilfsangebote durch Informationsveranstaltungen bis zum Aufbau von Netzwerken und zur Etablierung eines frühzeitigen Fallmanagements. Auf diese Weise soll ein bedarfsgerechter und möglichst problemloser Zugang zu den Suchthilfesystemen geschaffen werden.
Günstige Voraussetzungen
Für die Umsetzung des Projekts – so Landrat Hans Eveslage (CDU) – biete der Kreis Cloppenburg besonders günstige Voraussetzungen. „Hier existiert eine bundesweit vorbildliche Kooperation innerhalb eines migrantenspezifischen Netzwerkes.“ Der Landkreis unterstütze zum Beispiel durch die Entwicklung eines „Leitbildes Integration“ diese Entwicklung.
Rund 67 Prozent seiner Klienten – so Drobs-Leiter Koletzki – hätten einen Migrationshintergrund; die meisten kämen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Häufig käme der Kontakt seitens der Polizei zu Stande, die Zahl der Angehörigen, die sich für die Süchtigen erkundigen, nehme aber stetig zu.
• Neben dem Projekt in Cloppenburg werden auch gleichartige Unternehmen in Berlin, Leipzig, Nürnberg, Warstein und Köln gefördert.
Mehr Infos unter jugendberatung-oldenburg.eu/doc_ 823712-2-3-0.html
