CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Ob King’s Cross, Liverpool Street oder auch Aldgate East: All die U-Bahn-Stationen, in denen am Donnerstag in London Bomben explodierten, haben in dieser Woche während ihrer Studienfahrt in der britischen Hauptstadt auch 38 Zwölftklässler der Liebfrauenschule Cloppenburg und ihre beiden Lehrer Clemens Wilhelm und Ursula Hempen-Schöning gekreuzt. Auch am Donnerstagmorgen, als die Terroristen zuschlugen, planten sie, mit der U-Bahn vom Piccadilly Circus aus zu ihrem letzten Ausflug nach Greenwich zu starten und das dortige Observatorium besuchen. Doch dazu kam es nicht mehr.
Als die Cloppenburger um 9.30 Uhr in die U-Bahn steigen wollten, war die Station bereits von Polizisten abgeriegelt – wegen eines Stromausfalls hieß es. Im überalteten Londoner U-Bahn-Netz kommt das schon mal vor. „Zum Glück wurden wir im Hotel wegen eines Versicherungsfalls aufgehalten“, meinte gestern Clemens Wilhelm. „Wären wir wie geplant um 9 Uhr gefahren, hätten wir wie viele Menschen in der U-Bahn festgesessen. In der Hektik anschließend hätten wir die Schüler womöglich verloren.“ Den Tipp, doch einen Bus zu benutzen, schlug Wilhelm aus, weil für den morgendlichen Berufsverkehr die Gruppe zu groß gewesen sei und vielleicht nicht alle Schüler hineingepasst hätten.
Somit marschierten die Schüler Richtung Themse, um mit einem Schiff flussabwärts nach Greenwich zu fahren. „Doch es fuhr auch kein Schiff mehr. Auf der Themse patroullierten Polizeiboote“, so Wilhelms. „Zwischenzeitlich hatten auch die Busse den Betrieb eingestellt.“
Noch auf dem Weg zur Themse klingelte das erste Mal das Handy einer Gymnasiastin, erinnert sich Mitschülerin Kirsten Wiese. „Es war ihre Mutter. Sie wollte wissen, ob es ihr gut geht. In dem Moment erst haben wir erfahren, was wirklich in London passiert ist.“ Daraufhin suchten sich Schüler und Lehrer einen Pub mit Fernseher und informierten sich genau.
„Aus dem anfänglichen Ärger, dass der Tagesausflug ins Wasser gefallen war, entwickelte sich mit der Zeit Angst“, beschrieb Wilhelm den Tag, den die Cloppenburger überwiegend in Covent Garden, einem Markt- und Kulturzentrum, verbrachten. „Die Schüler hätten Angst gehabt, nicht mehr aus London herauszukommen, Angst, dass sich ihre Eltern sorgen machen.“ Die Anspannung bei einigen Mitschülern sei so groß gewesen, erinnerte sich Kirsten Wiese, dass einige auch geweint hätten. Denn schon bald war das Handy-netz überlastet, und es ging zeitweise nichts mehr.
Weil nicht alle Kinder ihre Eltern oder umgekehrt erreichten, lief das Telefon in der Liebfrauenschule in Cloppenburg heiß. Im Laufe des Tages konnte Wilhelm aber telefonisch der Schule melden, dass die Gruppe wohlauf ist und sich niemand Sorgen machen müsse. Am Donnerstagabend schließlich, gegen 18.30 Uhr Ortszeit, rollte der Verkehr in London wieder, berichtete Clemens Wilhelm, und „wir bestiegen unseren Bus nach Hause“.
